Soziales

„Alles Clara“ im Burgenland: Digitale Beratung, die verbindet

Wie pflegende Angehörige im Burgenland durch eine App Unterstützung erhalten – und warum echte Menschen dabei unverzichtbar sind.

Pflegende Angehörige stehen oft unter enormem Druck – zwischen Familie, Beruf und der Sorge um ihre Liebsten bleibt wenig Raum für sich selbst. Genau hier setzt „Alles Clara“ an: eine digitale Plattform, die niederschwellige, kostenlose Beratung per App ermöglicht. Auch im Burgenland wird diese Beratung seit Anfang des Jahres durch eine Kooperation mit den Sozialen Diensten Burgenland angeboten. Sandra Fartek, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Pflege- und Sozialberaterin für den Bezirk Jennersdorf, ist eine der Beraterinnen, die im Burgenland im Rahmen von Alles Clara ihr Wissen und ihre Erfahrung an Ratsuchende weitergibt.

Beratung per App – einfach, flexibel und nah

Die Funktionsweise ist simpel: Ratsuchende laden sich die App herunter, geben den Zugangscode clara-bgld ein, legen ein Profil an und fragen eine Beratung an. Die Zuteilung erfolgt über ein zentrales Team, das darauf achtet, dass Berater:innen verfügbar und – wenn möglich – regional passend sind. Es entsteht ein asynchroner Chat, bei dem Fragen jederzeit gestellt und von den Berater:innen im nächsten Dienstzeitfenster beantwortet werden. Ergänzend kann die Beratung über Telefon oder Video erfolgen; die Berater:innen fassen sie im Anschluss schriftlich zusammen. So entsteht im Chat automatisch ein Gesprächsprotokoll, auf das man jederzeit Zugriff hat, auch nach Abschluss der Beratung. Ebenso können Dokumente wie ein Pflegetagebuch, das zur Abklärung der Pflegestufe genutzt werden kann, über die App geteilt bzw. hochgeladen werden. Über 80 Personen haben das Angebot bereits im Burgenland in Anspruch genommen, es werden täglich mehr.

Ein niederschwelliger Raum für Sorgen und Entlastung

Im Zentrum der Beratung stehen meist die Angehörigen pflegebedürftiger Personen. Es geht um individuelle Fragen wie: Wie beantrage ich Pflegegeld? Wo finde ich ein Pflegebett? Meine demenzkranke Mutter will sich nicht helfen lassen – wie gehe ich damit um? Sandra Fartek erklärt: „Die Ratsuchenden fühlen sich gesehen. Allein das Formulieren und Niederschreiben der Gedanken und Absenden einer Nachricht ist für viele schon eine Erleichterung. Wie Tagebuch schreiben, aber mit der Gewissheit, dass eine echte, erfahrene Person am anderen Ende antwortet.“

Beratung ohne Hemmschwelle – anonym und flexibel

Ein großer Vorteil: Die Beratung erfolgt orts- und zeitunabhängig. Viele pflegende Angehörige haben tagsüber keine Möglichkeit zu telefonieren oder einen Termin wahrzunehmen. Über die App können sie ihre Anliegen jederzeit schildern. Gerade für Jüngere oder Menschen mit wenig Zeit ein entscheidender Pluspunkt. „Einmal schrieb mir eine Mutter, die kleine Kinder hat und sich gleichzeitig um ihre Eltern kümmert. Sie konnte erst am Abend zur Ruhe kommen und empfand es als großen Segen, dann ihre Gedanken loszuwerden“, erzählt Sandra Fartek.

Kein Chatbot – sondern echte Menschen

Ein zentraler Punkt, den die Beraterin betont: „Viele denken bei einer App an automatisierte Antworten. Aber bei Alles Clara schreiben echte Menschen – mit viel Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Know-how.“ Auch wenn man theoretisch mit Berater:innen aus anderen Bundesländern verbunden werden kann, ist das kein Nachteil. Denn die Expertise der Berater:innen funktioniert österreichweit und der Fokus liegt auf einer niederschwelligen Erstberatung und Begleitung, nicht auf rein formaler Information.

Technologie als Brücke – vertraulich und sicher

Die digitalen Beratungsräume innerhalb der Alles Clara App sind end-to-end verschlüsselt. Nur die ratsuchende Person und ihr:e Berater:in haben Zugriff auf die Inhalte. Zusätzlich unterliegen alle Berater:innen der Verschwiegenheitspflicht.
„Alles Clara“ ist dabei keine Konkurrenz zur klassischen Pflegeberatung, sondern eine wertvolle Ergänzung. Die Plattform bietet neben dem Chat auch Informationen zur Selbstfürsorge, FAQs und eine informative Webseite mit Newsletter. „Ich möchte keine der bisherigen Beratungsmöglichkeiten missen – Hausbesuche, Telefonate, persönliche Gespräche sind unersetzlich. Aber die App ist ein zusätzliches Werkzeug, das Menschen schnell, unkompliziert und empathisch erreicht“, so die Beraterin.

Ein Zukunftsmodell für moderne Pflegeberatung

„Alles Clara“ zeigt, wie Digitalisierung in der Pflegeberatung sinnvoll eingesetzt werden kann – als Bindeglied zwischen Ratsuchenden und Berater:innen, nicht als Ersatz für persönliche Nähe. Die Plattform macht es leichter, über Sorgen zu sprechen, sich Unterstützung zu holen und nicht allein zu sein. „Die Brücke von Mensch zu Mensch ist das Wichtigste. Diese ist bei dieser Art der Beratung auf jeden Fall gegeben“, erklärt Sandra Fartek abschließend.