Die Wächter des Neusiedler Sees

Was das Seemanagement Burgenland in der Wintersaison am Neusiedler See leistet, sieht man nicht. Aber ohne diese Arbeit würde man es spüren.

Schilfschneidemaschine
Die speziell konstruierte Schilfschneidemaschine bahnt sich ihren Weg durch das dichte Schilf am Neusiedler See

Erich Gebhardt wartet schon auf uns, als wir auf den Parkplatz vor dem Seebad Rust einbiegen. Orangene Warnschutzjacke, aufmerksamer Blick, das Logo „Seemanagement Burgenland“ auf der rechten Brust eingenäht. Er nickt freundlich, bevor wir ausgestiegen sind. „Hallo, griaß eich! Kommt's, steigt's ein bei mir. Wir fahren gleich weiter.“ Erich Gebhardt ist Geschäftsführer der Seemanagement Burgenland GmbH. Und der Neusiedler See ist sein Arbeitsplatz. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Arbeitstag. Es ist ein Blick hinter die Kulisse eines Sees, den unzählige Menschen kennen und der Heimat zahlreicher Lebewesen ist.  

Die Maschine, die ins Schilf fährt  

Erste Station: eine Schilfschneidemaschine am Seeufer. Heidi und René empfangen uns. Zwei junge Menschen, die genau wissen, was sie tun. Was aussieht wie eine umgebaute Pistenraupe, ist in Wahrheit ein Präzisionswerkzeug und speziell für die Arbeit am See konstruiert. Wir steigen ein. Der Motor brummt, das Schilf raschelt, der Geruch von nassem Schlamm und stehendem Wasser liegt in der Luft. Ein Geruch, den man kennt, wenn man am Neusiedler See aufgewachsen ist. „Wir tun das, damit der See für die Burgenländerinnen und Burgenländer erhalten bleibt“, sagt René. „Und für alle, die hierherkommen, um Urlaub zu machen, und für alle Tiere, die hier ihren Lebensraum haben“, fügt Heidi hinzu.  

60.000 Kubikmeter – und ein Kreislauf, der aufgeht

„Das Schilf von heute ist der Schlamm von morgen“, 

 erklärt Erich Gebhardt später im Auto auf dem Weg zur nächsten Station. Es ist ein Satz, der sich einprägt. Denn er fasst in wenigen Worten zusammen, warum diese Arbeit existiert. Wir kommen bei der Steganlage bei einem großen Schwimmbagger an. Andi sitzt drinnen. Sonnenbrille, blauer Pulli, ein Lächeln, das man nicht spielen kann. Er ist sichtlich stolz auf das, was er hier tut. „Die Arbeit am See ist so vielfältig, das muss man gesehen haben, um es verstehen und beschreiben zu können“, sagt er und schaut auf das graubraune Wasser, das die Maschine aufwirbelt.  

Rund 60.000 Kubikmeter Schlamm wurden heuer aus dem See geholt. Die Saison läuft von Oktober bis Ende April. Die Zeit, in der der See Pause hat und die insgesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seemanagements auf Hochtouren arbeiten. Der abgesaugte Schlamm wird in Absetzbecken gepumpt, dort entwässert und im Sommer auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt. Denn der Seeschlamm ist kein Abfall, sondern zählt offiziell als wertvolles Produkt, das den Böden hilft. Ein regionaler Kreislauf, der so einfach wie genial ist.  

Eine Geschichte, die bewegt  

Mit dem Boot des Seemanagements fahren wir am „Goldenes Tor“ vorbei, Richtung Südkanal, wo in beiden Kanälen gearbeitet wird. Hier treffen wir drei Männer, die mit kleinen Schilfschneidemaschinen arbeiten. Erich Gebhardt ruft sie freundlich her. Und dann erzählen sie ihre Geschichten. Eine davon bleibt hängen. Einer der Männer war mehr als 30 Jahre lang bei General Motors im Werk in Wien-Aspern tätig. Als das Werk schloss, verloren er und hunderte Menschen ihren Arbeitsplatz. Das Seemanagement hat ihm eine zweite Chance gegeben. Es menschelt also sehr am Neusiedler See.  

Warum das alles notwendig ist  

Früher wurde das Schilf am See abgebrannt. In den 90er-Jahren wurde das aus Umweltschutzgründen verboten. Eine richtige Entscheidung, die aber Folgen hatte. Altschilf sammelte sich an, Schilfkanäle wuchsen zu, die Schlammmenge stieg. Das ökologische Gleichgewicht des Sees geriet unter Druck. Genau deshalb wurde 2022 das Seemanagement gegründet. Es ist eine fast unsichtbare Arbeit. Aber eine, ohne die der Neusiedler See nicht mehr das wäre, was er ist: ein lebendiges Ökosystem und Heimat für Mensch und Tier.  

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Erich Gebhardt bringt uns mit dem Boot zum Hafen. Der See liegt jetzt ruhig da. Beim Anlegen greifen wir kurz mit an, helfen das Boot festzumachen. Als wir uns verabschieden und zum Auto gehen, ruft uns Erich Gebhardt zu: „Ich bin froh, dass ihr da wart. Dass ihr das gesehen habt. Ich hoffe, ihr kommt’s wieder!“  

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