Frauentag

„Erfolg ist kein Sprint, sondern ein Prozess“

Was bedeutet es, als Frau Verantwortung zu übernehmen und Karriere und Familie zu vereinen? Anlässlich zum Internationalen Frauentag sprechen zwei burgenländische Geschäftsführerinnen über Mut, Intuition, Vorurteile – und darüber, warum Gleichberechtigung auch ein Männerthema ist

Zwei Frauen lachen in die Kamera
„Gleichberechtigung ist eine gesellschaftliche Aufgabe.“

„Vertrau auf deinen Instinkt, bleib authentisch und nimm Chancen wahr, wenn sie sich bieten“, sagt Jutta Benedek, Geschäftsführerin der Landesimmobilien Burgenland, rückblickend auf ihre Karriere. Erfolg, so sind sich beide einig, entsteht nicht über Nacht. „Es ist ein Prozess“, bringt es Jutta Benedek auf den Punkt. Gerade am Beginn der Karriere sei es wichtig, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Am Ende zählt vor allem die Qualität des Ergebnisses – und das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen.“

Karriere funktioniert nur als Team

Eine der größten Herausforderungen bleibt für viele Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch für die beiden Gesprächspartnerinnen ist das ein Thema, das sie begleitet. „Ohne eine Partnerschaft auf Augenhöhe wäre vieles nicht möglich – Karriere funktioniert für mich nur, wenn man als Team zusammenhält“, sagt Jutta Benedek

Das sei nicht selbstverständlich, ergänzt Claudia Priber, Geschäftsführerin der Kultur-Betriebe Burgenland: „Es darf nicht von den Umständen abhängen, ob eine Frau Karriere machen kann. Genau deshalb ist dieses Thema auch eine gesellschaftliche Aufgabe – Männer eingeschlossen.“   

Vorurteile? Ja – aber nicht entscheidend  

Ob sie Vorurteilen auf ihrem Karriereweg begegnet sind? Die Antwort fällt ähnlich aus. „Wahrscheinlich gibt es sie – aber ich entscheide selbst, welches Vorurteil ich an mich heranlasse – und welches nicht“, sagt Claudia Priber.

Wenn jemand überrascht sei, einer Geschäftsführerin statt eines Geschäftsführers gegenüberzustehen, dann liege die Unsicherheit nicht bei ihr selbst, sondern bei der Person mit dem Vorurteil, erklärt Jutta Benedek.   

Sie seien in ihren Positionen aber privilegiert. Viele Frauen hätten nicht die Möglichkeit, Vorurteile einfach zu ignorieren – etwa in Bewerbungssituationen oder in unsicheren Arbeitsverhältnissen. „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, nicht nur eine persönliche.“

Fragen, die Männern selten gestellt werden  

Eine Erfahrung teilen beide. Bestimmte Fragen bekommen fast ausschließlich Frauen gestellt. Etwa, wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen. „Ich glaube nicht, dass diese Frage männlichen Kollegen je in dieser Form gestellt wurde. Dabei sollte das nicht im Mittelpunkt stehen, sondern die Arbeit, die man leistet“, sagt Claudia Priber

Wann es solche Gespräche nicht mehr braucht  

Auf die Frage, was passieren müsste, damit solche Interviews irgendwann überflüssig werden, sind sich beide einig: Gleichberechtigung. Erst wenn Gleichberechtigung kein Thema mehr sein muss, sondern selbstverständlich gelebt wird. 

„Wenn Chancen fair verteilt sind – dann wären wir einen großen Schritt weiter“, ist Claudia Priber überzeugt. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um Rollenbilder. „Es geht um den ganzen Blumenstrauß einer Gesellschaft“, fügt Jutta Benedek hinzu.

Gleichzeitig sei es wichtig, sich bewusst zu machen, wie viel bereits erreicht wurde, ergänzt Claudia Priber: „Fortschritt ist nichts Selbstverständliches – man muss ihn erhalten, aber auch ständig weiterentwickeln.“  

Mehr als ein Karrierethema  

Im Gespräch wird eines besonders deutlich: Gleichberechtigung ist nicht nur ein berufliches Thema. Es gehe um viel grundlegendere Fragen. „Solange Frauen Gewalt erleben, müssen wir über dieses Thema sprechen“, sagt Claudia Priber. Gleicher Zugang zu Chancen und gesellschaftliche Unterstützung seien zentral für echte Veränderung.

Gleichberechtigung ist kein Kampf der Geschlechter   

Gleichberechtigung werde oft missverstanden. Für beide sei das kein Kampf der Geschlechter, sondern ein gemeinsamer Weg. Familien- und Arbeitswelten würden sich verändern. Rollen seien heute flexibler. „Und das ist gut so! Es ist immer ein Geben und Nehmen“, erzählt Jutta Benedek.

Am Ende bleibt ein Gedanke, den beide teilen: „Wir als Gesellschaft sind gemeinsam verantwortlich dafür, wie die nächste Generation mit Gleichberechtigung umgeht. Und man beginnt am besten bei sich selbst.“