Genuss

Wie aus Uhudler ein Kulturgut wurde

Uhudler ist ein Stück südburgenländischer Geschichte. Eine Geschichte über Tradition, Durchhaltevermögen und Identität.

Winzer Stefan Wiener präsentiert seine Uhudler-Vielfalt
Winzer Stefan Wiener präsentiert seine Uhudler-Vielfalt © Stefan Wiener/Jean van Lülik

Ende des 19. Jahrhunderts stand der Weinbau in Europa vor einer großen Herausforderung. Durch die Wurzelreblaus wurde ein Großteil der Rebstöcke in Österreich vernichtet. Die Lösung: amerikanische, Reblaus-resistente Wildreben. Als Unterlagsreben wurden sie mit europäischen Sorten veredelt. Aus Direktträgern – Rebstöcke, die nicht veredelt wurden – entstand parallel dazu der Uhudler, eine Mischung aus verschiedenen Sorten an Direktträgern. Denn Uhudler ist immer eine Cuvée.

Strenge Gesetze

Es war kein einfacher Start, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Direktträgerweine in Verruf, gesundheitsschädlich´zu sein. 1929 folgte eine Kennzeichnungspflicht, 1936 sogar ein Auspflanzungsverbot für Direktträgersorten. Weinverschnitte von Erzeugnissen aus Direktträgerreben wurden ebenso untersagt. Die Gesetze wurden weiter verschärft, denn 1961 war Direktwein nur mehr als Haustrunk zugelassen, ein Verkauf war verboten. Nachdem auch eine mengenmäßige Obergrenze für den Haustrunk festgelegt wurde, folgte 1985 ein Totalverbot. 1992 wurde der Uhudler in das Weingesetz aufgenommen. Ein wichtiger Schritt, um den Erhalt der regionstypischen Besonderheit zu sichern. Seit 2016 gelten die Sorten Ripatella, Delaware, Concordia und Elvira als zugelassene Rebsorten, die bestimmte Auflagen erfüllen müssen und einer Flächenbegrenzung beim Anbau unterliegen.

Rätselhafter Name

Ein großes Geheimnis ist bis heute ungelöst: Woher der Name „Uhudler“ tatsächlich stammt. Die einen behaupten, dass Winzer:innen nach zu viel Uhudler aussahen wie ein Uhu. Wieder andere meinen, der Name gehe auf ein Tongefäß, den Udler, zurück. Wie der Uhudler schlussendlich zum Uhudler wurde, ist Bestandteil der Legende. Heute ist der Direktwein ein wertvolles Kulturgut der Region, der in den Bezirken Güssing und Jennersdorf angebaut wird.

„Mehr als nur ein Wein“

Viele Winzer:innen produzieren Uhudler in ihren Betrieben und leisten einen wertvollen Beitrag, diese Besonderheit zu erhalten. So auch das Weingut Wiener aus Eltendorf. „Der Uhudler ist für uns mehr als nur ein Wein, er ist ein Stück Identität des Südburgenlands. Sein Aroma, seine Geschichte und sein Charakter machen ihn zu einem echten Original“, erzählt Winzer Stefan Wiener. Dieses Original spielt im Weinbaubetrieb auch die Hauptrolle. „Seine Geschichte als verbotenem Wein und sein Revival spiegeln genau das wider, wofür wir stehen: Regionalität, Authentizität und die Liebe zur Natur“, erklärt der Winzer.

Naturbelassen und kraftvoll

Neben der bewegten Geschichte ist es auch das intensive Aroma nach Waldbeeren, das den Uhudler auszeichnet. Die Farbpalette ist ebenso prächtig: Zartes Rosa, kräftiges Ziegelrot oder ein blasses Hellgelb machen Lust auf den ersten Schluck. Dabei sind die klassischen Uhudler-Varianten eben so beliebt wie innovative Produkte: „Der Natural Amphoren Uhudler, unfiltriert, spontanvergoren und in Tonamphoren ausgebaut, zeigt den Uhudler in seiner ursprünglichsten Form – naturbelassen und kraftvoll. Und unser Uhudler Barrique, der in kleinen Eichenfässern reift, begeistert mit Tiefe und Struktur auch anspruchsvolle Weinliebhaberinnen und -liebhaber.“