Kolumne

Das römische Recht

Als Kind war ich mit dem heiligen Martin nicht hundertprozentig zufrieden. Mich störte etwas an der Geschichte. Nämlich: Warum hat Martin den Mantel in der Mitte zerschnitten und nicht den ganzen dem Bettler überlassen?

Perschys Perspektiven

Wär schon nicht gleich erfroren, der Herr Offizier. Außerdem haben nach meiner kindlichen Auffassung nun beide nicht wirklich was davon gehabt: So einen halberten Mantel kann man nicht einmal zuknöpfeln. Ich stellte mir ja den Mantel nicht als römischen Umhang, sondern wie meinen eigenen Kinderwintermantel vor. Mittlerweile bin ich doch schon ein bisschen klüger. Nach dem zu Martins Zeiten geltenden römischen Recht gehörte die eine Hälfte der Adjustierung eines Soldaten diesem persönlich, die andere aber war Eigentum des Staates, des Imperium Romanum. Deswegen hat Martin den Mantel geteilt. Seine hohe Moralvorstellung verbot ihm, etwas zu verschenken, was ihm gar nicht gehört. Seit ich das weiß, feiere ich den 11. 11. hundertprozentig. Wenn auch ganz sicher nicht als Faschingsbeginn. Aber davon vielleicht einmal später. Fehlt noch der obligate Buchtipp, heute für Kinder: „Der rote Mantel. Die Geschichte vom Heiligen Martin“ des aus Güssing stammenden Autors Heinz Janisch, erschienen im Tyrolia Verlag.

 

Eine Kolumne von Jakob Perschy