Kolumne

Zuhause, neu entdeckt

Der steirische Freund von mir, mit dem ich gemeinsam im Südburgenland ins Gymnasium gegangen bin, hat unlängst im Nordburgenland geheiratet.

Ein Pendlerleben

Angereist sind wir alle aus Wien. Das war schon allein deswegen schön, weil lang bestehende Freundschaften selten sind. Den Buben aus der fünften Klasse vorne am Traualtar stehen zu sehen, hatte schon seinen ganz eigenen Zauber. Es war aber auch schön, weil es mich an eine Ecke des Burgenlands geführt hat, an der ich sonst nie bin: das Nordburgenland, genauer gesagt Halbturn und der Neusiedler See. Ich weiß, für viele Österreicherinnen und Österreicher ist genau nur dort das Burgenland. Wein, Weite, Schilf, Wind. Aber wer hier lebt, weiß, dass dieses Bundesland sehr viel mehr ist. Das Südburgenland, wo ich aufgewachsen bin, ist hügelig, der Norden dagegen ist flach.

Im Norden sitzt die Landesregierung, im Süden gibt es keine Zugverbindung. Ich bin also fast nie im Norden, aus Prinzip oder einfach aus Gewohnheit. Aber an diesem Wochenende habe ich ihn für mich entdeckt. Zwischen Weingärten und Feldern, Hochzeiten und Erinnerungen, Wien und dem Süden war da plötzlich dieses Gefühl: dass auch hier etwas von meinem Zuhause liegt – nur eben anders. Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dieses Wochenendes: dass auch in der vermeintlich bekannten Heimat noch unentdeckte Gegenden liegen. Und jetzt auf jeden Fall der Plan steht, sie neu kennenzulernen.

 

Eine Kolumne von Saskia Jungnikl-Gossy.