Gesundheit
Historischer Meilenstein: Eigene Herzchirurgie fürs Burgenland
Eine Lücke, die das Burgenland jetzt schließt
Bis dato war das Burgenland eines von nur zwei Bundesländern in Österreich ohne eigene Herzchirurgie. Wer eine Herzoperation – ob Bypass, Herzklappenersatz oder Aortenchirurgie – benötigte, musste dafür nach Wien, St. Pölten oder Graz transferiert werden. Das bedeutete nicht nur lange Wege und Stress für Patient:innen und Angehörige, sondern war vor allem bei akuten und lebensbedrohlichen Fällen ein strukturelles Problem. Erschwerend kommt hinzu, dass das Burgenland unter allen österreichischen Bundesländern die höchste kardiovaskuläre Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate aufweist. Gerade bei akuten und lebensbedrohlichen Fällen zählt jede Minute, und genau hier setzt die neue Abteilung an.
Die Klinik Oberwart als Standort
Die Wahl fiel auf die Klinik Oberwart – und das aus gutem Grund. Seit ihrer Neueröffnung im Mai 2024 bietet die Klinik als modernstes Spital der Region Basisversorgung, beste Ausstattung und Spitzenmedizin in Wohnortnähe. Mit rund 1.200 Mitarbeiter:innen aus den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie, Technik und Verwaltung zählt sie zu den größten Arbeitgebern der gesamten Region und ist die zweitgrößte Krankenanstalt des Burgenlandes. Betrieben wird sie von der Gesundheit Burgenland, die neben Oberwart auch Kliniken in Oberpullendorf, Güssing und Kittsee betreibt. Die Innere Medizin der Klinik Oberwart war dabei schon bisher stark kardiologisch aufgestellt – mit Spezialambulanzen für Kardiologie, Rhythmologie und Herzinsuffizienz sowie modernster Device-Therapie. Auf dieser Basis konnte die neue herzchirurgische Abteilung aufgebaut werden.
Aufbau in wenigen Monaten
Dr. Wolfgang Dietl wurde im November 2025 als interimistischer Leiter mit dem Aufbau der Abteilung beauftragt – und lieferte rasch Ergebnisse. Bereits Mitte März 2026 konnte die erste Operation durchgeführt werden. Die Klinik verfügt mittlerweile über alle nötigen Voraussetzungen in den Bereichen Kardiologie, Intensivmedizin, Chirurgie, Labordiagnostik und bildgebende Diagnostik, inklusive Herz-Lungen-Maschine und ECMO. Ab April 2026 verstärkt Dr. Roland Toth Ph.D. als zweiter Herzchirurg das Team. Beim Hearing für die neu ausgeschriebene Primariatsstelle der Abteilung ging Dietl aufgrund seines Konzepts als Erstgereihter hervor – er dürfte die Abteilung also auch langfristig leiten.
Der Plan für die Zukunft
Das mittelfristige Ziel ist ambitioniert: An der Klinik Oberwart soll ein vollwertiges Herz-Zentrum entstehen – mit bis zu 500 Operationen pro Jahr innerhalb der nächsten fünf Jahre. Primar Andreas Ochsenhofer, Leiter der Inneren Medizin, beschreibt die Vision so: Vom gesamten Spektrum der interventionellen Kardiologie bis zu Operationen am offenen Herzen soll künftig alles unter einem Dach abgedeckt werden – und das in einer Form, die in Österreich einzigartig sein soll.
Für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ist die neue Abteilung ein lang ersehnter Schritt: Es gehe darum, burgenländischen Patient:innen Herzoperationen wohnortnah zu ermöglichen und auch akute, lebensbedrohliche Fälle rasch behandeln zu können – ohne den Umweg über andere Bundesländer.
