Kultur

Philipp Hochmair: Zwischen Schlaining, Schiller und Cannes

Er zählt zu den gefragtesten Schauspielern im deutschsprachigen Raum, die größten Sender und Magazine reißen sich um ein Interview mit ihm. Für „Mein Burgenland“ nahm sich Philipp Hochmair Zeit und Muße.

Philipp Hochmair im Interview mit Martin Hollweck
Fotos: © lexiho

Interview: Martin Hollweck 

Ort: Eine stilvolle Lobby in einem Hotel in Bad Tatzmannsdorf. Philipp Hochmair kommt barfuß und in kurzer Hose in die Lobby und nimmt vor einem Porträt von Marilyn Monroe Platz. Mit seiner Präsenz nimmt er den Raum sofort ein. In drei Stunden tritt er beim KLANGfrühling in Schlaining auf, danach fliegt er zu den Festspielen nach Cannes. Beim Interview besteht er auf das „Du“-Wort.

Mein Burgenland: Du trittst heuer zweimal in Schlaining auf. Bereits im Vorjahr gabst du ein Open-Air-Konzert in der Burgarena. Welche Erinnerungen hast du an den Auftritt? 

Ich erinnere mich an ein sehr warmherziges und offenes Publikum. Das war ein schöner Abend! Herrliches Wetter, großartiges Ambiente, in der so beeindruckenden Architektur der Friedensburg. Hier atmet man Geschichte. Ich freue mich schon sehr, wieder hier aufzutreten. 

Du trittst gerne an ungewöhnlichen Orten auf. Von Schulen, Gasthäusern über den Domplatz in Salzburg bis hin zum Wohnzimmer vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Was fasziniert dich an diesen Orten? 

Durch diese Gastspiele wird man immer wieder an Plätze gebracht, an die man vielleicht ohne den Anlass nicht so einfach hinkommt. Das ist das Schöne an dem Beruf, dass man sich die Welt im Spielen erobern darf. Drum bin ich für exotische Plätze immer sehr offen. 

Es war nach dem Erscheinen deiner Biografie „Hochmair, wo bist du“ schwer, eine zu bekommen. Sie war ausverkauft. Hast du mit diesem riesigen Interesse gerechnet? 

Ich hatte keine Ahnung, ob dieses Buch von Interesse sein könnte. Es ist auch keine klassische Biografie geworden, sondern eine Art Bestandsaufnahme, eine Rückschau, vielleicht eine erste Analyse, ein Innehalten und Nachdenken über das, was bis jetzt alles passiert ist. Bei diesem Funktionieren auf der Bühne und am Filmset kann man auch schnell den Kontakt zu sich selbst verlieren. Und über die Beschäftigung mit dieser „Biografie“ und den daraus resultierenden Buchpräsentationen, konnte ich mich ganz gut wieder finden und schauen, wo ich gelandet bin. 

Mein Burgenland: Du trittst heuer zweimal in Schlaining auf. Bereits im Vorjahr gabst du ein Open-Air-Konzert in der Burgarena. Welche Erinnerungen hast du an den Auftritt? 

Ich erinnere mich an ein sehr warmherziges und offenes Publikum. Das war ein schöner Abend! Herrliches Wetter, großartiges Ambiente, in der so beeindruckenden Architektur der Friedensburg. Hier atmet man Geschichte. Ich freue mich schon sehr, wieder hier aufzutreten. 

Du trittst gerne an ungewöhnlichen Orten auf. Von Schulen, Gasthäusern über den Domplatz in Salzburg bis hin zum Wohnzimmer vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Was fasziniert dich an diesen Orten? 

Durch diese Gastspiele wird man immer wieder an Plätze gebracht, an die man vielleicht ohne den Anlass nicht so einfach hinkommt. Das ist das Schöne an dem Beruf, dass man sich die Welt im Spielen erobern darf. Drum bin ich für exotische Plätze immer sehr offen. 

Es war nach dem Erscheinen deiner Biografie „Hochmair, wo bist du“ schwer, eine zu bekommen. Sie war ausverkauft. Hast du mit diesem riesigen Interesse gerechnet? 

Ich hatte keine Ahnung, ob dieses Buch von Interesse sein könnte. Es ist auch keine klassische Biografie geworden, sondern eine Art Bestandsaufnahme, eine Rückschau, vielleicht eine erste Analyse, ein Innehalten und Nachdenken über das, was bis jetzt alles passiert ist. Bei diesem Funktionieren auf der Bühne und am Filmset kann man auch schnell den Kontakt zu sich selbst verlieren. Und über die Beschäftigung mit dieser „Biografie“ und den daraus resultierenden Buchpräsentationen, konnte ich mich ganz gut wieder finden und schauen, wo ich gelandet bin. 

Einer deiner Lehrer war Klaus Maria Brandauer. War er für dich so eine Art Idol? 

Brandauer war sicher ein großes Vorbild, und der erste wirkliche Kontakt zu dieser krassen Künstler-Energie, die mich in diesem Beruf lebendig und wach hält. Ein unglaubliches Glück, dass wir uns als Lehrer und Schüler am Max Reinhard Seminar begegnet sind. 

In deiner Biografie schreibst du, dass dein Wertesystem christlich geprägt ist.  

Ich war lange Ministrant und habe oft das Evangelium gehört, intensiv die christlichen Rituale und Feiertage miterlebt. Das hat mein Denken und meine Ästhetik sicher stark beeinflusst. Und bei Jedermann, dem christlichen Moralspiel, kommt das dann alles wieder zum Tragen. 

Du bewegst dich zwischen klassischen Stoffen und modernen Inszenierungen – fühlen sich Schiller und Goethe für dich zeitlos oder manchmal auch sperrig an?  

Schiller Balladen zum Beispiel sind maximal zeitlos. Seine Balladen sind wie Kurzfilme, das sind sprachliche Feuerwerke und die möchte ich zum Klingen, zum Explodieren bringen. Das ist einfach Hochgenuss für mich selbst. Schiller und Goethe waren wirklich verrückte Typen auf der Suche nach einer wilden, entfesselten Energie. Und diese Energie freizulegen und ins Heute zu bringen, habe ich mir zur Aufgabe gemacht. Es ist ein Experiment, das jeden Abend wieder aufs Neue gestartet wird und das erstaunlich gut funktioniert.

Viele Schauspieler spielen Rollen. Bei dir wirkt es oft, als würden die Rollen Dich spielen. Ist das die Absicht? 

Vielleicht ist Schauspiel genau das: sich durch Literatur so mitreißen zu lassen um darüber zu jemand anderem zu werden. Sich darüber förmlich aufzulösen. Wenn ich eine Figur zu sehr kontrolliere, wird sie vielleicht immer gleichbleiben? Spannend wird es für mich, wenn durch das Spiel eine Art Transformation beginnt.  

Wie gehst du mit einer Rolle um, die sehr belastend ist? Zum Beispiel die Nazi-Größe Reinhard Heydrich in dem Film die Wannseekonferenz.  

Am Anfang steht immer nur der Text: ihn zu erfassen und dann zu verkörpern ist der erste Schritt. Bei Rollen wie Heydrich ist das besonders anspruchsvoll, weil man sich erst in dieses nationalsozialistische Weltbild hineinversetzen muss – in eine kaum vorstellbare Umkehr aller Werte. Das muss man sich schwer erarbeiten. Die Herausforderung im Anschluss ist, diese Figur wieder loszuwerden, aus dem Kopf und Körper zu bekommen. Und dafür gibt es leider auch kein Rezept oder eine Methode für mich. Das muss ich jedes Mal wieder aufs Neue rausfinden, wie das geht. Manchmal hilft exzessives Kochen für Freunde, manchmal Reisen, manchmal Fasten... 

Du wirkst auf der Bühne oft wie ein Musiker bei einem Rockkonzert. Woher kommt diese Energie? 

Theater ohne Risiko interessiert mich nicht. Ich mag diesen Moment, wenn es kippen könnte. Wenn die Sätze zu musikalischen Elementen werden. Punkrock, Techno, Elektro hat dieselbe Wahrheit: Du kannst nicht bürgerlich-kontrolliert bleiben und gleichzeitig verbrennen. 

 

Philipp Hochmair gastiert mit seinem „Schiller Balladen Rave“ am 4. Juli in der Open Air Arena in Schlaining.