Natur

Wo Bürsten noch von Hand entstehen

Wie im Burgenland ein fast vergessenes Handwerk  weiterlebt – nachhaltig gedacht und mit viel Liebe zum Detail.

Seit 1948 in Familienhand: Bei der Bürstenerzeugung Eckhardt arbeitet bereits die vierte Generation mit © Bürstenerzeugung, Julia Hahnekamp
Seit 1948 in Familienhand: Bei der Bürstenerzeugung Eckhardt arbeitet bereits die vierte Generation mit © Bürstenerzeugung, Julia Hahnekamp

In Zeiten von Überangebot und Massenproduktion kommt dem traditionellen, über Generationen hinweg überlieferten Handwerk eine besondere Rolle zu. Während die Bürstenerzeugung früher ein gängiger Beruf war, f indet man heute nur noch wenige, die diese Richtung bewusst einschlagen. Die einzige Bürstenerzeugung des Burgenlands befindet sich in Mattersburg. Geführt wird der Familienbetrieb von Melanie Eckhardt, unterstützt wird sie dabei von Familienmitgliedern und Mitarbeitenden.

Handwerk ohne Lehrbuch

Melanie Eckhardt verrät, was dieses Handwerk so besonders macht: „Der Beruf der Bürstenerzeugung ist heute etwas Besonderes, da es dafür keine klassische Lehre oder Ausbildung mehr gibt. Das Wissen kann nur noch von Generation zu Generation weitergegeben und laufend weiterentwickelt werden.“ 

Geschichte mit Gebietsschutz

1948, im Jahr der Gründung des Unternehmens, bestand noch Gebietsschutz für das Gewerbe der Bürstenbinderei. Ein bestimmtes geograf isches Gebiet war vorrangig einer Person oder einem Betrieb zugeordnet. Deshalb wurde die Bürstenbinderei in Neusiedl am See gegründet. Drei Jahre später, 1951, wurde die Bürstenbinderei in Mattersburg eröffnet. Mittlerweile ist mit Alexander bereits die vierte Generation im Familienbetrieb tätig. Obwohl der Beruf zu einer Seltenheit wurde, wächst das Interesse an traditionellem Handwerk spürbar. „Kundinnen und Kunden interessieren sich heute viel mehr für Materialien, Verarbeitung und Herkunft. Uns ist wichtig, darauf einzugehen und das Wissen, das sich über Generationen angesammelt hat, weiterzugeben. Genau daraus entstehen Nähe und Vertrauen“, schildert die Bürstenerzeugerin. 

Transparenz und Langlebigkeit

Der Austausch mit Kundinnen und Kunden ist für die Produktion ebenso wertvoll wie für die Mitarbeitenden des Betriebs. So entstehen konkrete Anforderungen und neue Ideen, die in die Verbesserung bestehender Produkte oder die Entwicklung neuer direkt einfließen. In der Produktion legt man großen Wert auf Nachhaltigkeit. Vorhandene Rohstoffe werden bestmöglich und ganzheitlich genutzt. „Uns ist wichtig, jedes Material dort zu beziehen, wo es sinnvoll produziert Fotos: Bürstenerzeugung/Julia Hahnekamp werden kann“, erklärt Melanie. Nachhaltigkeit bedeutet für den Betrieb aber auch, Produkte herzustellen, die über viele Jahre hinweg genutzt werden können, also besonders langlebig sind: „Unsere Bürsten sind für unterschiedliche Einsatzzwecke gedacht, aber immer mit dem Anspruch, langlebig, funktional und reparaturarm zu sein. Ein Produkt, das über viele Jahre genutzt werden kann, ist aus unserer Sicht ein wesentlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit.“

Bürsten für jeden Bedarf

Das Sortiment der Bürstenerzeugung Eckhardt umfasst dabei Produkte für den täglichen Bedarf. Durch die Verwendung von natürlichen und umweltfreundlichen Materialien sind die Produkte plastikfrei – viele davon auch rein pflanzlichen Ursprungs und somit vegan. Zu den beliebtesten Produkten zählen etwa die vegane Holzzahnbürste, eine zweiseitige Gemüsebürste oder handgefertigte Bürsten für die Computertastatur. Bei Betriebsbesuchen können Interessierte auch mehr über das traditionelle Handwerk erfahren.