Kultur

Zeichnen gegen das Vergessen

„…und mein Bruder ist ein Maler“ sang Udo Jürgens in einem seiner größten Hits. Der so besungene Maler Manfred Bockelmann stellt im Juli 2026 seine Werke in der ehemaligen Synagoge in Kobersdorf aus.

Maler Manfred Mockelmann in der Synagoge
Fotos: © Land Burgenland

Die Werke gehen unter die Haut. Mehr als das, sie verletzen unsere Seele. Die Sonderausstellung »Zeichnen gegen das Vergessen« zeigt großformatige Porträts, durchwegs Kohlezeichnungen, von Kindern und Jugendlichen, die zu Opfern des Nazi-Terrors wurden.

Mit seinem Projekt „Zeichnen gegen das Vergessen“ schafft Bockelmann eindringliche künstlerische Erinnerungen, die Geschichte unmittelbar erfahrbar machen. International ausgestellt, zählt das Projekt zu den bedeutendsten Arbeiten eines lebenden österreichischen Künstlers.

Manfred Bockelmann zeichnet die eineinhalb Meter große Kohlezeichnungen auf grober Jute. Als Vorlagen verwendet er sogenannte „Erkennungsdienstliche Aufnahmen“, die in den KZs gemacht wurden. „Diese Kinder sind in Auschwitz, Mauthausen, und anderen Konzentrationslagern umgebracht worden. Wenn wir sie anschauen, haben wir das Gefühl, das ist nicht irgendein Blick einem Fotografen gegenüber, sondern die Kinder sind ahnungslos. Sie wissen zum Teil nicht, warum man ihnen die Haare weggenommen hat, wo ihre Eltern sind und wieso sie so schlecht behandelt werden.“, so Bockelmann.

Junge Menschen berühren

Der Bild- und Textband „Dunkles Erinnern“ von Heiner Hammerschlag dokumentiert die Entstehung des Projekts, seine weltweiten Stationen und Begegnungen mit Überlebenden der Shoah. Zahlreiche Abbildungen, Beiträge von Fachautoren, zwei Kurzfilme via QR-Code sowie eine herausnehmbare Zeitleiste machen die Arbeit zu einem lebendigen Erinnerungsraum – ein kraftvolles Zeugnis gegen das Vergessen.  Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, die Bockelmann und Hammerschlag berühren möchten.

 

Erinnerungen an den Bruder

An seinen 2014 verstorbenen Bruder Udo Jürgens erinnert sich Bockelmann gerne. „Er war ein feiner Mensch. Wenn ich eine Vernissage hatte, hat er sich die Bilder immer einen Tag davor oder später angeschaut. Nie bei der Vernissage. Er wollte durch seine Anwesenheit nicht von den Bildern ablenken. Das Lied ‚Und mein Bruder ist ein Maler, ich bin nur ein Musikant‘, hat er mir in den 1970er Jahren zu Weihnachten geschenkt. Er hat das so empfunden.“

Eröffnet wurde die Ausstellung am 25. Juni von Landeshauptmannstellvertreterin Anja Haider-Wallner. Die Werke können an den Aufführungstagen der Schloss-Spiele Kobersdorf (30. Juni – 26. Juli) jeweils von 18:30 - 20:30 Uhr besichtigt werden.

Ehemalige Synagoge Kobersdorf

Schlossgasse 25
7332 Kobersdorf
+43 5 7600 2358
synagoge-kobersdorf(at)bgld.gv.at