Literatur

Die Gedenklandschaft des Burgenlandes

Die Zahl der Erinnerungszeichen, die der Opfer des Nationalsozialismus gedenken, wächst. 

SICHTBAR MACHEN. Erinnerungslandschaft – Orte und Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Burgenland, edition lex liszt 12; www.lexliszt12.at

Im April 2022 fand nach Abschluss umfangreicher und sorgfältiger Umbauarbeiten die Eröffnung der ehemaligen Synagoge Kobersdorf statt. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonte damals, dass das Land Burgenland damit – so wie auch bei der restaurierten Synagoge Stadtschlaining – Akte einer „verantwortungsbewussten Erinnerungskultur“ setze.

Bekenntnis zum jüdischen Erbe

„Das Burgenland bekennt sich zu seinem jüdischen Erbe und seinen jüdischen Wurzeln, die vom Nazi- Terror ausgerissen wurden – sie machen einen wesentlichen Bestandteil unserer Identität aus, die von kultureller und religiöser Vielfalt geprägt ist. Wir haben uns daher auch ganz bewusst dazu bekannt, die ehemaligen Synagogen behutsam wieder instand zu setzen und kulturell zu nutzen – weil sie sichtbare Zeichen dafür sind, dass sich das Burgenland seiner jüdischen Traditionen und seiner Verantwortung für die Opfer der NS-Zeit bewusst ist.“

Opfermythos

Es sind positive Beispiele einer öffentlichen Erinnerungskultur, die nicht immer selbstverständlich war, wie der renommierte burgenländische Historiker Herbert Brettl im Einleitungstext seines 2023 erschienenen Buchs „Sichtbar machen“ erzählt. Die österreichische Erinnerungskultur an die Opfer des Nationalsozialismus orientierte sich in den Nachkriegsjahren am „Opfermythos“. Die Erinnerungskultur beschränkte sich demnach vor allem auf Gedenken an die gefallenen Soldaten sowie Erinnerungszeichen für Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer.

Neuer Umgang mit NS-Vergangenheit

Zu einem erkennbaren Wandel in der Erinnerungskultur kam es erst ab den 1990er-Jahren. Im Burgenland ging dieser neue Umgang mit der NS-Vergangenheit vor allem von Lehrkräften und privaten Initiativen aus, wie etwa dem Verein RE.F.U.G.I.U.S., Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative, dem Verein „Initiative Erinnerung Frauenkirchen“ oder der „Güssinger Historischen Gesellschaft“.

Rund 200 Erinnerungszeichen im Burgenland

Im Buch „Sichtbar machen“ finden sich rund 200 Erinnerungszeichen zu Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus und zur Befreiung von der NS-Diktatur, die in rund 80 Gemeinden des Landes als Gedenktafeln,
Grabstellen, Gedenksteine, Denkmäler oder Kunstwerke die Schicksale der Opfer aufzeigen. Es ist eine vielversprechende Entwicklung der Erinnerungskultur. Herbert Brettl weist in seinem empfehlenswerten Buch aber auch darauf hin, dass die Gedenklandschaft des Burgenlandes noch zahlreiche „weiße Flecken“ aufweist.