Wirtschaft
„Aktive Standortpolitik schaut nicht zu, wenn es um Arbeitsplätze geht“
„Unser Ziel ist klar: Arbeitsplätze sichern, industrielle Wertschöpfung erhalten und Unternehmen Zukunftsperspektiven geben“, sagt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. „Natürlich ist es immer am besten, wenn Unternehmen aus eigener Kraft investieren und wachsen. Es gibt aber Situationen, in denen strategische Beteiligungen oder gezielte Unterstützung durch die öffentliche Hand wirtschaftlich vernünftig sind. Nicht aus Ideologie, sondern weil es um die Zukunft eines Unternehmens, um hochqualifizierte Arbeitsplätze und um ganze Regionen geht.“
Das Land als Impulsgeber
Das Burgenland hat in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt, dass durch aktive Standort- und Wirtschaftspolitik Betriebe stabilisiert, Wachstum ermöglicht und Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden können. Mit erfolgreichen Ansiedlungen und der Weiterentwicklung von Unternehmen wie Austria Pet Food, Lumitech oder Vossen hat das Land seine Position als leistungsfähiger Industrie- und Produktionsstandort kontinuierlich ausgebaut.
„Jeder Unternehmensfall ist unterschiedlich und muss individuell bewertet werden“, sagt Johannes Stipsits, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, privaten Investoren und der öffentlichen Hand tragfähige Lösungen entstehen können. Das Burgenland hat Kompetenz bei der Begleitung von Restrukturierungen, Expansionen und Standortentwicklungen bewiesen.“
Sieben Beispiele, die das belegen
Sanochemia. Mit Unterstützung des Landes und der Wirtschaftsagentur wurde das Unternehmen ab 2019 in einer extrem turbulenten Phase stabilisiert, rund 120 Arbeitsplätze blieben erhalten. Das Land beteiligte sich und stieg 2023 mit einem Gewinn von knapp zwei Millionen Euro wieder aus. Heute liegt der Mitarbeiterstand bei fast 200.
Lumitech. Das innovative Technologieunternehmen wurde über eine strategische Beteiligung des ATHENA-Fonds unterstützt. Damit verbunden sind Investitionen in den Ausbau der Produktion und in die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Aviation Academy Austria GmbH. Auch hier brachte eine strategische Beteiligung über den ATHENA-Fonds das Unternehmen auf Wachstumskurs – die Beteiligung ist nach wie vor aufrecht. Zusätzlich trugen Wirtschaftsförderungen für den Ausbau des Standorts dazu bei, hochwertige Wertschöpfung im Burgenland langfristig zu sichern.
LuST Malereibetrieb & Vollwärmeschutz GmbH. Nach der Insolvenz der Fassadenfirma Stangl entstand ein wirtschaftlich erfolgreiches Nachfolgeunternehmen: Die Wirtschaftsagentur übernahm den Betrieb gemeinsam mit den heutigen Eigentümern und stabilisierte ihn. Unlängst verkaufte die Agentur ihre Anteile. Zunächst konnten 45 Arbeitsplätze übernommen werden, heute sind es rund 75.
FENZ Software. Das Land beteiligte sich über den ATHENA-Fonds gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern. Mit der Spezialisierung auf digitale Warenwirtschaftslösungen entwickelte sich das Unternehmen zum führenden Anbieter im DACH-Raum und wurde Anfang 2024 an die internationale Softwaregruppe Everfield übergeben.
Austria Pet Food GmbH. Neben einer aufrechten Beteiligung über den ATHENA-Fonds tragen Wirtschaftsförderungen zum laufenden Ausbau des Standorts bei. Die Investitionen sorgten für 50 neue Arbeitsplätze.
Vossen. Als der deutsche Mutterkonzern 1997 Konkurs anmeldete, sprang die damalige Wirtschaftsservice Burgenland AG ein. 2024 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von mehr als 40 Millionen Euro, 2025 feierte es mit rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sein 100-jähriges Bestehen.
„Garantien gibt es in der Wirtschaft nicht“
„Diese Beispiele zeigen: Aktive Standortpolitik wirkt“, betont Doskozil. „Diese Betriebe werden auch in Zukunft Auf und Abs erleben, Garantien gibt es in der Wirtschaft nicht. Aber ohne Intervention der öffentlichen Hand würden etliche dieser Unternehmen nicht so gut dastehen wie jetzt oder gar nicht mehr existieren.“
„Man sollte in schwierigen Situationen nicht reflexartig jede Form staatlicher Unterstützung ausschließen“, sagt Stipsits. „Wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist und Arbeitsplätze gesichert werden können, muss die Politik Verantwortung übernehmen. Das Burgenland wird auch künftig ein verlässlicher Partner für seine Unternehmen und Beschäftigten sein.“
