Geschichte
Burgenländerinnen im Widerstand
Sie druckten und verteilten Flugzettel, agitierten gegen Soldaten, versorgten die Partisanen mit Essen, retteten Gefangene vor dem Erschießen, verrieten niemanden beim Verhör: Jede dieser Aktionen war lebensgefährlich. Die Frauen wurden eingesperrt, bei der Gestapo misshandelt, ins KZ deportiert, aber sie haben überlebt. Die Lebensfäden der beiden burgenländischen
Frauen aus Klingenbach/Klimpuh und Nebersdorf/Šuševo treffen während des Zweiten Weltkriegs im KZ Ravensbrück aufeinander. Sie teilen ein ähnliches Schicksal.


Hanna Sturm: Vom Burgenland nach Ravensbrück
Hanna Sturm, 1891 geboren, wurde schon als kleines Kind für Fabrikarbeit ausgebeutet. Später setzte sie sich als Arbeiterführerin zur Wehr und erlebte schon früh die Gnadenlosigkeit der Mächtigen. Dennoch zeigte sie auch in der Zwischenkriegszeit Unerschütterlichkeit und zähes Engagement für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter.
Die gesamte Zeit des Naziregimes verbrachte sie unter grausamen Umständen im Gefängnis und im Konzentrationslager. Hanna Sturm brachte sich selbst das Tischlern bei. Die Kroatin konnte im KZ Ravensbrück ihre Fähigkeiten in der „Sturmkolonne“ einsetzen – für Reparaturarbeiten bekam sie überall Zugang. So gelang es ihr, aus den SS-Magazinen Verpflegung für die Inhaftierten zu stehlen. Nach dem Krieg war sie bei mehreren Prozessen wichtige Zeugin.
Hanna Sturm schrieb ihre Erinnerungen später in dem Buch „Die Lebensgeschichte einer Arbeiterin; vom Burgenland nach Ravensbrück“ nieder.
2022 wurde in Klingenbach ein Gedenkstein für Hanna Sturm errichtet. Sie verstarb am 9. März 1984 in Zagreb. Hanna Sturm wurde 93 Jahre alt.


Käthe Sasso: eine Nebersdorferin gegen Hitler
Käthe Sasso wurde 1926 geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit in Nebersdorf, einem Ortsteil von Großwarasdorf, bei ihrer Großmutter Majka und zog dann später nach Wien. Sie hat sich schon in jungen Jahren gegen das NS-Regime gestellt und wurde dafür in das KZ Ravensbrück deportiert. Im Jänner 1943 kam Käthe Sasso als Häftling
ins Wiener Landesgericht und entkam nur knapp dem Todesurteil. Sie wurde ins Arbeitserziehungslager Oberlanzendorf überstellt, im Jahr 1944 wurde sie über Berlin erneut ins KZ Ravensbrück
deportiert. Ende April 1945 gelang ihr während des Todesmarsches nach Bergen-Belsen die Flucht. Sie kehrte nach Wien zurück und heiratete den Widerstandskämpfer Josef Sasso.
„Ich weiß, ich habe das Richtige getan“
Bis zuletzt klärte die bildende Künstlerin als Zeitzeugin unermüdlich über die Grauen des Nationalsozialismus auf. Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurde Käthe Sasso unter anderem mit dem „Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich“ ausgezeichnet. „Ich weiß, ich habe das Richtige getan“, meinte Käthe Sasso in einem ihrer letzten Interviews. Sie vertrat immer überzeugend ihre Einstellung.
Käthe Sasso zu Ehren wurde in ihrem Geburtsort Nebersdorf im Mittelburgenland ein Gedenkstein enthüllt. Sie starb am 14. April 2024 im Alter von 98 Jahren


Die Gedenksteine von zu Ehren von Sturm in Klingenbach und Sasso in Nebersdorf © Herbert Brettl
Der burgenländische Historiker Dr. Herbert Brettl bewertet das Gedenken an diese beiden Frauen und an alle anderen, die ihr Schicksal teilten, positiv. „Erinnern heißt Verantwortung und Gedenken heißt Verantwortung übernehmen.“ Es war der „unermüdliche Kampf gegen das kollektive Vergessen“, der sowohl Käthe Sasso als auch Hannah Sturm antrieb. Ihren Mut und ihr Engagement kann man nicht hoch genug würdigen.