Kultur

Der doppelte Blick. Bleibt.

Als Elfie Semotan in der Landesgalerie Burgenland ihre Ausstellung „Der doppelte Blick“ eröffnete, schien darin bereits vieles von dem auf, was ihr Werk so besonders machte: die Fähigkeit, Schönheit zu sehen, ohne sie zu verklären. Das Außergewöhnliche im Alltäglichen. Die Stille hinter dem Spektakel. Am vergangenen Wochenende ist Elfie Semotan gestorben.

Die Nachricht ihres Todes hat weit über Österreich hinaus Betroffenheit ausgelöst. Internationale Institutionen, Medienhäuser und Wegbegleiter erinnern an eine Fotografin, die die Bildsprache ihrer Zeit geprägt hat. An eine Künstlerin, deren Arbeiten für große Marken ebenso unverwechselbar waren wie ihre Porträts bedeutender Persönlichkeiten. 

Im Burgenland erinnert man sich an noch etwas anderes.

An eine Frau, die hier nicht nur arbeitete, sondern lebte. Die im südburgenländischen Grieselstein einen Ort fand, an dem sie über Jahrzehnte hinweg beobachten, sammeln und sehen konnte. Nicht das schnelle Sehen einer Werbewelt, die nach Aufmerksamkeit verlangt. Sondern jenes geduldige, stille Schauen, das den Dingen ihre Würde lässt.

Wer die Ausstellung in der Landesgalerie besucht hat, konnte diese Seite von Elfie Semotan entdecken. Zwischen den ikonischen Fotografien aus einer internationalen Karriere fanden sich Bilder von Landschaften, Pflanzen, Gegenständen, Lichtstimmungen. Fotografien, die weniger erzählen wollten, wer vor der Kamera stand, als vielmehr, wie die Welt aussieht, wenn man ihr wirklich begegnet.

Vielleicht bleibt von dieser Ausstellung heute etwas besonders Wertvolles zurück: die Erinnerung an ihre Anwesenheit. An Gespräche bei der Eröffnung. An ihre ruhige Art. An die Selbstverständlichkeit, mit der sie über Kunst sprach, ohne sie wichtiger zu machen als das Leben selbst.

Manche Menschen hinterlassen Bilder. Elfie Semotan hinterlässt uns ihren Blick auf die Welt.