Gesundheit

Pathologie: Der Ursache auf der Spur

Frauen hinter den Mikroskopen des modernsten Labors des Landes: Im Institut für Klinische Pathologie und Mikrobiologie der Klinik Oberwart geht es innovativ, präzise und sehr weiblich zu

Mitarbeiterin bei Analyse
MEHR ALS OBDUKTIONEN: 98% der Untersuchungen betreffen lebende Patient:innen – moderne Pathologie rettet Leben © Gesundheit Burgenland

An der Spitze steht Primaria Dr.in Evelyn Gräf, eine engagierte Frau, die für ihren Job brennt. Mit ihrem vorwiegend weiblichen Team sorgt sie hier tagtäglich dafür, dass Proben sorgfältig analysiert und die Ergebnisse zuverlässig dokumentiert werden.

Zentrale Drehscheibe der Diagnostik

Wer an Pathologie denkt, sieht oft nur Obduktionen, ernste Gesichter und Mikroskope vor sich. Im Institut für Klinische Pathologie und Mikrobiologie in der Klinik Oberwart sieht das ganz anders aus: Es ist ein Ort, an dem modernste Diagnostik, Teamgeist und innovative Technik Hand in Hand gehen – mit positivem, weiblich dominiertem Spirit. „Wir sind mit unserem Institut das Herzstück der medizinischen Dia gnostik innerhalb der Gesundheit Burgenland“, erklärt Primaria Gräf. „Wir versorgen alle vier Kliniken und spielen eine entscheidende Rolle bei Therapieplanung, Qualitätssicherung und medizinischer Beratung.“

Rund 40 hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass Diagnosen schnell, präzise und patientenorientiert erstellt werden. 25 Biomedizinische Analytikerinnen arbeiten täglich mit Ärztinnen und Ärzten zusammen. Sie verarbeiten die Proben, welche zur Erstellung von Befunden notwendig sind, und sorgen somit dafür, dass Therapieentscheidungen auf sicheren Grundlagen stehen. Die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Burgenland in Pinkafeld, die das neue BMA-Studium anbietet, zeigt: Hier wird auch Wissen weitergegeben. Praktikumsplätze sind Teil des Alltags, Nachwuchsförderung wird großgeschrieben. Ein bedeutender Teil des Instituts ist die Histologie, die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben. Sie ist zentral für die Krebsdiagnostik und die Bestimmung spezieller Marker, damit Therapien individuell angepasst werden können. Die Zahlen sprechen für sich: Von 2024 auf 2025 stieg die Zahl der histologischen Befunde um rund 7.000, auf über 45.000. Die mikrobiologischen Analysen nahmen im selben Zeitraum um etwa zehn Prozent zu. Das zeigt, wie stark Diagnostik und Therapie heute ineinandergreifen.

Pathologie ist mehr als Obduktionen

Ein weit verbreitetes Missverständnis hält sich hartnäckig, nämlich, dass Pathologie vorwiegend Obduktionen beinhaltet. Doch tatsächlich machen diese nur rund zwei Prozent aller Fälle aus.

98 % der Untersuchungen betreffen lebende Patientinnen und Patienten, von mikrobiologischen Analysen bei Harnwegsinfekten und Blutvergiftungen bis zu umfassenden Untersuchungen bei Infektionskrankheiten. „Moderne Bildgebung wie MRT und gezielte Tests ermöglichen heute, viele Erkrankungen schon zu Lebzeiten präzise zu erkennen, sodass nicht erst nach dem Ableben nach Ursachen gesucht werden muss“, erklärt die Institutsleiterin.

Digitalisierung als Diagnostik der Zukunft

Ein echter Meilenstein ist die seit Kurzem eingeführte digitale Pathologie: Mikroskopische Präparate werden vollständig gescannt und digitalisiert. Die Vorteile sind enorm. Befunde können ortsunabhängig abgerufen, größer und detailreicher betrachtet und präzise vermessen werden. „Die digitale Pathologie bringt für unsere tägliche Arbeit enorme Vorteile, sie erhöht die Qualität, schafft neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit über Standorte hinweg und legt den Grundstein für den zukünftigen ergänzenden Einsatz von künstlicher Intelligenz in der feingeweblichen Diagnostik. Diese Innovation macht uns zu einer der modernsten Pathologien österreichweit“, sagt Primaria Gräf stolz.