Lässig leben

Ein Stück Kindheit im Südburgenland

„Ich muss noch meine Ziege einfangen! Die ist ausgebüchst!“, höre ich Christof Spörk rufen, als ich mich mit dem Auto seinem Anwesen nähere. In seinem Dreikanthof im südlichsten Zipfel des Burgenlandes grünt und wuselt es

Christof Spörk füttert seine Ziege
Die Global Kryner hat er wiedervereint. Bei seinen Ziegen gestaltet sich das gelegentlich schwieriger

Ich werde vom jüngsten Zuwachs, dem Hauskätzchen, begrüßt, während Spörk und seine Frau mit Futter hinter der Ausreißerin herschleichen. Erst dann geht’s zum Bioweinbau Oberkofler nach Weichselbaum, wo wir unser Interview führen. Seine Finger sind noch erdig. „Von der Gartenarbeit und vom Ziegen suchen“, lacht er.

Christof Spörk ist Musiker, Kabarettist und gebürtiger Steirer. 2003 gründete er die Global Kryner. 2005 ging es zum Song Contest nach Kiew, es folgten Konzerte bis nach Mexiko, 2013 war Schluss. 

Nach 13 Jahren sind sie zurück. Warum? „Es macht einfach unglaublich viel Spaß. Und außerdem bin ich jetzt auch in einem Lebensalter über 50, wo man draufkommt: So wahnsinnig viele Möglichkeiten hat man im Leben nicht.“ Warum also nicht noch einmal? Den Sound erklärt er mit Slavko Avsenik, der die südalpine Volksmusik weiterentwickelt hat: „Wir machen im Grunde nichts anderes, nur 50 Jahre später.“

Dass nicht immer alles nach Plan läuft, weiß Christof Spörk nur zu gut. Bei einem Auftritt in der Schweiz vergaß er einmal, das Blatt auf sein Klarinettenmundstück zu setzen. 

Statt „Like a Virgin“ gab’s einen ungeplanten Abgang Richtung Garderobe. Woher ich das weiß? Intensive Recherchen in den dunkelsten Winkeln der österreichischen Musikszene. lacht. Er sei halt „ein bisschen ein Schussel“, gesteht er, doch „das meiste, was wir als peinlich empfinden, ist eigentlich lustig.“ Das Publikum merke, dass „der Moment gerade echt ist“. Echt soll auch sein neues, musikgefülltes Kabarettprogramm sein. In „Maximo Lieder“ singt der studierte Politikwissenschafter gegen gesellschaftliche Missstände an, hinterfragt politische Entwicklungen und nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund. Denn nur Pointen abzuliefern, ist Spörk zu wenig: „Wenn Kabarett nur mehr Pointendichte ist, dann ist es für mich nicht mehr die Kunstform, die ich so spannend finde.”

Und wie verschlägt es einen Steirer mit kubanischer Frau und vier Kindern ausgerechnet ins Südburgenland? „Vor gut 15 Jahren haben wir hier Urlaub gemacht.“ Es war April, alles blühte. Die Familie blieb. Christof Spörk erinnert sich: „Ich glaube, ein Stück weit habe ich meine Kindheit hier gefunden.“ Aufgewachsen ist er in einem Schlosshof in der Steiermark. Die Arkaden seines heutigen Zuhauses erinnern ihn daran. „Wir leben ein urbanes Leben im Ländlichen.“ Mit allen Vorzügen. Und gelegentlicher Ziegensuche.