Wirtschaft

Hier braut der Westwind

Von Vorarlberg über Oregon bis nach Deutsch Jahrndorf: Gabriel Manahls Weg ins Burgenland verlief nicht gerade auf direkter Linie. Angekommen ist er trotzdem genau dort, wo er heute sein will. Gemeinsam mit seiner Partnerin Julia Roth verbindet er zwei Welten: Bier und Wein

Die Betreiber - Gabriel und Julia - mit Bier in der Hand vor den Gärtanks.
Gabriel Manahl und seine Partnerin Julia Roth verbinden bei sich Zuhause zwei Welten: Bier und Wein

Aufgewachsen in Vorarlberg, studierte Gabriel zunächst Landschaftsarchitektur in Wien. Ein beruflicher Aufenthalt führte ihn später nach Oregon. Dort entdeckte er eine Bierkultur, die ihn so faszinierte, dass aus dem Landschaftsarchitekten schließlich ein Brauer wurde. Zurück in Österreich lernte er bei einer Exkursion Julia kennen. Sie wollte das Weingut in Deutsch Jahrndorf weiterführen, Gabriel – flexibel, wie er sich selbst beschreibt – kam einfach mit.

Willkommen im Land der Möglichkeiten

Als Gabriel zum ersten Mal ins Burgenland kam, war die Landschaft für den Vorarlberger erst einmal ungewohnt: keine Berge, dafür viel Weite. Genau die begann ihm schnell zu gefallen. Sie erinnerte ihn an Amerika und an das Gefühl, dass hier noch Platz ist für eigene Ideen, Träume und Selbstverwirklichung. Diese Freiheit, sich selbst etwas schaffen zu können, schätzt Gabriel bis heute. „Das Burgenland ist für mich das Land der Möglichkeiten“, sagt er.

Bier trifft Wein Genau daraus entstand auch die Westwind Brauerei. Julia und Gabriel wollten das Weingut bewusst klein halten und lieber ein zweites Standbein schaffen. Seit 2018 wird deshalb in Deutsch Jahrndorf nicht nur Wein gemacht, sondern auch Bier gebraut. Für viele scheint zwischen Wein und Bier ein Widerspruch zu liegen. Doch Gabriel und Julia wissen: Beides ist sich ähnlicher, als viele denken. Ein Genussprodukt zu schaffen, das in sich harmonisch ist, ist für die beiden immer von entscheidender Bedeutung. Ob es sich dabei um Wein oder Bier handelt, ist schon fast zweitrangig.

Vom Ländle ins weite Land

Auch menschlich hat Gabriel Parallelen zwischen alter und neuer Heimat entdeckt. Beide haben eine starke eigene Identität und ihren ganz eigenen Zugang zu den Dingen. Unterschiede merkt er vor allem darin, wie Probleme gelöst werden. Während man in Vorarlberg gerne tüftelt, bis alles möglichst genau passt, verlasse man sich im Burgenland öfter auf Erfahrung, Gespür und eine gute Portion Intuition. Gerade diese pragmatische Art hat Gabriel schätzen gelernt. „Diese intuitive Denkweise möchte ich nicht mehr missen“, sagt er. Auch der Name Westwind verbindet für Gabriel alte und neue Heimat. Der Westen steht für seine Herkunft, der Wind für die Landschaft rund um Deutsch Jahrndorf. Passender könnte der Name für seine Leidenschaft kaum sein.