Gesundheit

Hightech trifft Heimat: Moderne Minimalinvasive Neurochirurgie für das Burgenland

Am 8. September wurde die Ambulanz der neuen Abteilung für Minimalinvasive Neurochirurgie in der Klinik Oberwart eröffnet, als Teil der von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil initiierten Gesundheitsoffensive.

Dr. Feigl in seinem Büro

Geleitet und aufgebaut wird die Abteilung von Dr. med. Günther C. Feigl, einem der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet. Für „Mein Burgenland“ nahm sich Prof. Feigl ausführlich Zeit, um über seine Pläne und Ideen für die Medizin im Burgenland zu sprechen. 

Prof. Prof. h. c. Dr. Dr. med. Günther C. Feigl ist ein international anerkannter Experte der minimalinvasiven Neurochirurgie. Er ist Primar der Abteilung an der Klinik Oberwart, außerdem Professor am Institute for Academic Medicine at Houston Methodist Hospital. Die Schwerpunkte des 56-jährigen liegen in den Bereichen minimalinvasive Schädelbasischirurgie, Neuroonkologie und Radiochirurgie.  

mein Burgenland: Sie gelten als absolute Koryphäe in Ihrem Bereich. Was hat Sie motiviert, nach Oberwart zu kommen, um hier eine neue Abteilung aufzubauen?  

Prof. Feigl: Nach vielen Jahren im Ausland wollte ich wieder nach Österreich zurückkehren, hier tätig sein und die Erfahrungen und die Expertise, die ich mir im Ausland angeeignet habe, in meiner Heimat einbringen. Ich habe dann erfahren, dass hier in Oberwart eine Erweiterung des neuen Krankenhauses geplant ist. In Gesprächen mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat sich gezeigt, dass sich hier eine einzigartige Situation aus Entwicklungspotential und Möglichkeiten ergibt und somit für mich eine einmalige Gelegenheit meine Vorstellungen einer neurochirurgischen Abteilung umzusetzen.  

Sie haben international Karriere gemacht. Was nehmen Sie aus Ihren Stationen in Deutschland, den USA oder anderen Ländern mit nach Oberwart? 

Prof. Feigl: Ich habe viele Jahre in Deutschland und in den USA gelebt und gearbeitet. Dort war ich im Bereich der Spitzenmedizin und Hirntumorforschung im Texas Medical Center, dem größten Medizinzentrum der Welt, tätig und habe so moderne medizinische Konzepte kennengelernt. Ich war an der Errichtung von neurochirurgischen Abteilungen beteiligt und habe meine eigene Abteilung dann in Bamberg mit einem Hirntumorzentrum, einem Schädelbasiszentrum und einem Interdisziplinärem Wirbelsäulenzentrum der Maximalversorgung aufgebaut und zehn Jahre lang geleitet. Diese Erfahrungen und dieses Wissen bringe ich jetzt ins Burgenland mit. Die internationale Erfahrung hilft mir, hier in Oberwart eine Abteilung auf höchstem medizinischem Niveau, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu entwickeln – davon profitieren die Patientinnen und Patienten im Burgenland direkt. 

Welche Vision verfolgen Sie für die Neurochirurgie im Burgenland? 

Prof. Feigl: Wenn man auf der „Landkarte der medizinischen Versorgung“ im Burgenland nach Neurochirurgie suchte, fand man nichts! Die nächsten Anlaufstellen dafür waren in Wiener Neustadt, Wien und Graz. Mit der Etablierung der Abteilung für Minimalinvasive Neurochirurgie in Oberwart hat sich diese Situation, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Problematik der burgenländischen Gastpatientinnen und Gastpatienten in anderen Bundesländern, für die Burgenländerinnen und Burgenländer dauerhaft verbessert. Die burgenländische Bevölkerung kann nun im eigenen Bundesland neurochirurgisch versorgt werden. Durch meine internationale Vernetzung bin ich ständig im Austausch mit Fachleuten aus aller Welt. So bekomme ich früh Zugang zu neuen Entwicklungen und kann unter Einsatz modernster Medizintechnologie und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse diese Behandlungsmethoden direkt ins Burgenland bringen.  

Gab es einen Moment in Ihrer Laufbahn, der Sie besonders geprägt hat – medizinisch oder menschlich? 

Prof. Feigl: Es gibt viele solcher Momente. In der Medizin begegnet man vielen Schicksalen – manche berühren einen tief. Besonders prägend sind die Situationen, in denen man einem Menschen wirklich helfen kann und sieht, wie sich sein Leben dadurch verbessert und, nach einem oft langen Leidensweg, wieder viel mehr Lebensqualität hat. Aber es gibt auch Momente, in denen die Medizin an ihre Grenzen stößt und man erkennen muss, dass man einen Patienten nicht heilen kann. Besonders in solchen Situationen finde ich es persönlich außerordentlich wichtig, dass man trotz aller medizinischen Statistiken dem Menschen, der sein schweres Schicksal bewältigen muss, nie die Hoffnung nimmt.  

Welche Innovationen und technische Entwicklungen prägen aktuell Ihre Arbeit?  

Prof. Feigl: Mein Ziel war es immer Spitzenmedizin auf internationalem Niveau anzubieten - auch hier im Burgenland. Wir bauen hier keine abgespeckte Version einer Neurochirurgie auf, sondern eine der modernsten Abteilung mit Top-Ausstattung in allen Bereichen – so wie sie in neurochirurgischen Zentren der Spitzenmedizin weltweit Standard ist. Dabei kommen auch Geräte mit KI-Unterstützung und Robotik zum Einsatz. Auch die virtuelle Realität kommt zur Patientenaufklärung, OP-Planung und Durchführung zum Einsatz. Diese Technologie ermöglicht es uns, die Patientinnen und Patienten gewissermaßen „durch ihr eigenes Hirn zu führen“ und so die geplante Operation genau zu erklären. 

Wir haben hier im Burgenland die einzigartige Möglichkeit so ein Projekt umzusetzen. Die Landesregierung unterstützt diesen Weg sehr. Es wird gezielt in Gesundheit und Spitzenmedizin investiert, und das zeigt: Die medizinische Versorgung der Menschen im Burgenland hat hier höchste Priorität. 

Eine weitere wichtige Säule in der Klinik Oberwart ist die Eröffnung eines Wirbelsäulenzentrums. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgie und Wirbelsäulenzentrum konkret aus?  

Prof. Feigl: Die Zusammenarbeit zwischen der Neurochirurgie und dem neuen Wirbelsäulenzentrum ist sehr eng. Dr. Staribacher ist ein ausgezeichneter und sehr erfahrener Wirbelsäulenchirurg, der sowohl Facharzt für Chirurgie, Orthopädie aber auch für Neurochirurgie ist. Wir arbeiten schon lange eng zusammen und ergänzen uns fachlich perfekt.  

Durch diese Kooperation können wir gemeinsam das gesamte Behandlungsspektrum der Wirbelsäulenerkrankungen abdecken – von konservativen Therapien über klassische Eingriffe bei Bandscheibenvorfällen bis hin zu komplexen Operationen wie Skoliose-Korrekturen. In der Versorgung von Wirbelsäulenverletzungen arbeiten wir auch sehr eng interdisziplinär mit der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie zusammen. Das bringt große Vorteile für die Patientinnen und Patienten im Burgenland, denn sie bekommen hier in Oberwart eine umfassende und moderne Versorgung aus einer Hand. 

Wie gehen Sie auf die individuellen Bedürfnisse und Ängste Ihrer Patientinnen und Patienten ein – gerade bei so sensiblen Eingriffen wie beim Gehirn?  

Prof. Feigl: Das Wichtigste dabei ist, gerade wenn es um bösartige, schwere Erkrankungen geht: Man muss dem Patienten immer Hoffnung geben. Es gibt viele Möglichkeiten von Behandlungen die helfen – lindern, Leben verlängern, heilen. Und auch wenn vieles hochtechnologisch ist und die Technik oft im Vordergrund steht, am Ende ist es ein Mensch, den wir behandeln. Wir wollen das Beste für jeden einzelnen, den wir behandeln, erreichen. 

Wie sehen Sie die Gesundheitsversorgung im Burgenland in den nächsten fünf Jahren? 

Prof. Feigl: Die neue Abteilung für Minimalinvasive Neurochirurgie in Oberwart zeigt, wie viel Potenzial in diesem Standort steckt – mit eigener Infrastruktur, Hightech-Ausstattung und top Ausbildungsmöglichkeiten. Die Landesregierung unterstützt diesen Ausbau aktiv, was vielen Menschen in der Region eine hochwertige Versorgung direkt vor Ort ermöglicht.  

Für mich persönlich ist es auch besonders schön, meine Erfahrungen aus dem Ausland hier in meiner Heimat einzubringen. Dass ich als Abteilungsleiter sogar beim Bau für die neue Abteilung mitplanen darf, ist für mich eine einmalige Gelegenheit. 

Was tun Sie, um nach einem anspruchsvollen Tag abzuschalten?  

Prof. Feigl: Nach der Arbeit zu Hause abschalten zu können ist sehr wichtig, da hilft mir natürlich das Zusammensein mit meiner Familie bei einem schönen Abendessen in gemütlicher Atmosphäre. Wenn dann noch Zeit bleibt sind wir gerne draußen in der Natur. In der Kürze der Zeit haben wir uns schon gut eingelebt und fühlen uns hier sehr willkommen. Das Burgenland ist wunderschön und bietet eine tolle Lebensqualität. Es ist für meine Familie und mich eine großartige Region zum Leben.  

Vielen Dank für das Gespräch!