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Im Burgenland fährt der Rock 'n‘ Roll Stockbus

Alles ist Metall. Die Totenköpfe, die Getränkedosen und sogar die Musik. Die VBB bringt Musikfans aus dem ganzen Burgenland zum Nova Rock nach Nickelsdorf. Wir waren im Shuttle aus dem Südburgenland. 

VBB beim Nova Rock

Kein Startschuss. Ein Zischen. Damit beginnt um 11:20 Uhr in Oberwart die Fahrt zum Nova Rock. Andrea reißt das erste Bier auf. Helen breitet am Tisch die Jause aus. Die Türen vom Bus der Verkehrsbetriebe Burgenland (VBB) sind noch nicht einmal zu, zischt es ein zweites Mal. Diesmal im oberen Stock. Der Typ mit dem grimmigen Blick, den Totenschädln am schwarzen, zerrissenen T-Shirt und mit den wilden Peckerln hat ebenfalls ein Bier aufgemacht. Eine Büchsn. Alkoholfrei. Er trinkt nicht. Nie. Sein Kollege schon. Zisch. 

„100 Punkte“, sagt der Typ mit dem alkoholfreien Bier, zeigt seinen gestreckten Daumen und kommentiert damit die anstehende Busfahrt. Einen Stock weiter unten, hinter dem Lenkrad, hat inzwischen Dieter Koller den Gurt angelegt. Er beugt sich runter zum Radio, dreht den Schalter fast auf Anschlag. Der Stockbus füllt sich mit lauter Rockmusik. Zischen wird man es bis Nickelsdorf nicht mehr hören. 

Es sind die Routiniers, die schon öfter mit der VBB zum Nova Rock gefahren sind, die man daran erkennt, dass sie umgehend einem möglicherweise später auftauchenden Hunger und Durst sofort nach dem Einsteigen vorzubeugen beginnen. Die Frischgfangten erkennt man an anderen Details. Richtig. Sie sitzen im Stockbus oben in der vordersten Reihe und staunen. 

„Wir sind das erste Mal dabei und begeistert davon, wie perfekt das alles abläuft“, sagt Marko. „Die Buchung lief reibungslos, der Bus ist beeindruckend, die Aussicht ein Wahnsinn und man sitzt sehr gemütlich.“ Nur das Jausnen im Bus, dass das ausnahmsweise nicht nur erlaubt, sondern viel mehr eine Tradition ist, das hat ihm keiner gesagt. 

In mehreren Stationen fährt der Stockbus mit dem Kennzeichen VBB1 vom Südburgenland in den Norden zu den Pannonia Fields in Nickelsdorf. Bei jedem Halt steigen weitere Personen ein. Einmal zwei, dann fünf, und je weiter wir in den Norden kommen, desto mehr Leute steigen ein. Nur in Steinberg nicht. Dort hält Dieter Koller den Bus aus einem ganz anderen Grund an. 

„Rauchpause“, lautet die offizielle Begründung. Beim Blick in den Monitor, der die Fahrgäste zeigt, dürfte ihm aber auch eingeschossen sein, dass das Bier, das Cola und das Wasser, das während der Fahrt in die Schlünder rann, irgendwann auch wieder rauswollen wird. Jetzt gibt es im Stockbus zwar eine Toilette, aber geräumiger sind dann doch die auf der Park&Ride-Station. Und die wackeln auch weniger. Also die Toiletten. 

Larissa und Niko wackeln auch nicht. Larissa ist ebenfalls zum ersten Mal dabei. Sie fährt wegen Iron Maiden zum Nova Rock. Niko kennt das riesige Festival. Auch die Fahrt mit dem Bus. „Ich hab beides gemacht“, erzählt er, „ich bin mit dem Bus hin und her gefahren, aber ich hab auch schon dort gezeltet. Ich fahr lieber mit dem Bus“. „Hast auch an hinichen Rücken?“, fragt ihn ein schwarz gekleideter Mann, der ziemlich böse ausschaut, es aber offensichtlich nicht ist.  

Er fährt an jedem der Eventtage von Oberwart nach Nickelsdorf. Und wieder zurück. „Ich schlaf lieber fünf Stunden daheim im Bett als gar nicht, dort im Zelt“, erklärt er. Ein kurzes Dunkerl wird er auch noch zwischen Steinberg und Mattersburg machen. Und das, obwohl zur lauten Musik im Bus, nun auch die Stimmung schon ziemlich ausgelassen ist, heftig über Musik diskutiert wird. Er kriegt nicht einmal mit, wie in Neutal Andreas und Florian einsteigen, raufgehen, in den Stock, ein Energiedoserl aufreißen und sagen: „Wir sind es gewohnt, dass ma maximal am Weg in den Süden ein Bier trinken.“ Sie pendeln jeden Tag mit der VBB nach Wien. Heute wird das anders sein. 

„Das mit dem Bus ist klass“, sind sie sich einig, „weil wenn einer mit dem Auto fahren muss, ist die Stimmung nicht dieselbe“. Sie prosten sich zu, und setzen zu einem langen Schluck an. Es riecht nach Gummibären. Sie werden um 1:30 Uhr wieder in den Bus einsteigen und in den Süden fahren. Andere bleiben in Nickelsdorf und reisen erst am Sonntag retour. 

„Beim Heimfahren ist es für gewöhnlich ruhiger“, erzählt Dieter Koller. „Dann sind die meisten schon sehr müde und schlafen fast alle. Wenn es laut wird, dann nur, weil einer schnarcht.“

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