Kultur

Jerry Meehan: Mehr als der Mann am Bass

Er steht mit Robbie Williams auf den größten Bühnen der Welt. Doch wenn Jerry Meehan ins Burgenland kommt, geht es nicht um kreischende Fans oder ausverkaufte Stadien. Es geht um junge Talente, kreative Ideen und die Frage, was Musik im Leben eines Menschen bewirken kann.

Zwischen Stadionjubel und burgenländischer Bodenständigkeit

Wir sitzen mit Jerry Meehan im Foyer eines Eisenstädter Hotels mit Blick auf jenes Schloss, in dem Joseph Haydn gewirkt hat. Aus den Lautsprecherboxen tönt zufällig „Angels“ von Robbie Williams. Jerry grinst und trinkt seine Limonade. Obwohl er eine anstrengende Südamerika-Tour hinter sich und eine fünfwöchige Austalien/Neuseeland-Tour vor sich hat, nimmt er sich Zeit, für „Mein Burgenland“ aus seinem Leben zu erzählen. Und dabei outet er sich als Haydn-Fan.

Seit mehr als 20 Jahren spielst du mit Robbie Williams. Was muss zwischen Musikern stimmen, damit eine Band über so viele Jahre funktioniert?

Jerry Meehan: Musikalisches Können allein reicht nicht. Man muss einander zuhören, aufeinander reagieren und verstehen, wann man selbst im Mittelpunkt stehen darf und wann man besser Platz macht. Eine gute Band ist ein Team. Und Robbie ist in Bestform. Er genießt seine Musik und sein Publikum: er ist brilliant!

 

Wie geht man damit um, ständig unterwegs zu sein? Zwischen Hotels, Flughäfen, Soundchecks und Konzerten bleibt für das Privatleben oft wenig Platz.

Man muss lernen, seine Zeit bewusst zu nutzen. Auf Tour ist der Kalender oft bis ins Detail organisiert. Umso wichtiger ist es, kleine Freiräume zu schaffen und mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, die einem wichtig sind. Außerdem hilft es, neugierig zu bleiben und nicht jeden Tag nur als weiteren Termin zu betrachten. Und wenn du mit so großartigen Musikern wie die in der Robbie Williams Band zusammen bist, hast du immer Spaß.

 

Deine musikalische Laufbahn begann in der klassischen Musik. Heute stehst du mit Robbie Williams vor einem riesigen Pop-Publikum. Wie hängen diese beiden Welten für Dich zusammen?

Meine Mutter was Musiklehrerin, ich habe viel von ihr gelernt. Die klassische Ausbildung vermittelt ein tiefes Verständnis für Musik, für Struktur, Harmonie und Zusammenspiel. Das verschwindet nicht, wenn man später Pop, Rock oder Soul spielt. Im Gegenteil: Man nimmt dieses Wissen überallhin mit. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Gustav Mahler und Joseph Haydn. Ich liebe ihre Symphonien. Darum ist es für mich auch immer etwas Besonderes in Eisenstadt, dem Wirkungsort von Joseph Haydn, zu sein.

Von Haydn zu einem aktuellen Superstar. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Robbie Williams?

Wir trafen uns 2005 bei einem Konzert in Los Angeles. Er hat mich dann mit seiner Entourage im Auto mitgenommen und mir das Angebot gemacht, bei ihm einzusteigen. Unser erstes Konzert war Live Aid in London vor mehr als 100.000 Menschen im Hyde Park in London, das weltweit übertragen wurde. So eine Chance bekommt man nicht zweimal im Leben.
 

Du könntest deine freie Zeit vermutlich an vielen Orten der Welt verbringen. Warum kommst du wieder ins Burgenland?

Das Burgenland ist für mich längst mehr als ein Ort, an dem ich beruflich zu tun habe. Hier sind persönliche Beziehungen und Projekte entstanden, bei denen es nicht nur um Musik als Unterhaltung geht, sondern auch um Bildung, Austausch und gemeinsames Lernen. Solche Begegnungen sind wertvoll, weil sie einen anderen Blick auf den eigenen Beruf ermöglichen.

 

Bei deinem Besuch in der Musikschule und im Jugendzentrum Mattersburg konnten dich Jugendliche persönlich kennenlernen. Was möchten du ihnen mitgeben, das über das Bassspielen hinausgeht?

Dass Talent wichtig ist, aber nicht alles. Man braucht Neugier, Disziplin, Geduld und die Bereitschaft, von anderen zu lernen. Und man muss verstehen, dass Musik Teamarbeit ist. Niemand macht alles allein. Wer seinen eigenen Weg gehen will, sollte offen für andere Menschen und ihre Ideen bleiben. Entscheidend sind Menschen wie mein Manager Stefan Trenker, die Verbindungen herstellen und Ideen umsetzen. Durch die Zusammenarbeit mit Stefan sind Möglichkeiten entstanden, Erfahrungen aus der internationalen Musikbranche direkt weiterzugeben. Ich finde es wichtig, jungen Menschen zu zeigen, wie vielfältig ein musikalischer Weg aussehen kann.

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der davon träumt, eines Tages auf einer großen Bühne zu stehen?

Üben, üben, üben - Ich würde ihnen raten, sich nicht ausschließlich auf das Ziel zu konzentrieren. Lerne dein Instrument, spiele mit anderen, höre unterschiedliche Musik und entwickle deine eigene Persönlichkeit. Es gibt keine Garantie dafür, wo man landet. Aber wer ernsthaft arbeitet und seine Begeisterung bewahrt, schafft sich Möglichkeiten.

Was kann ein Workshop im Burgenland vermitteln, das ein Video im Internet nicht leisten kann?

Die persönliche Begegnung. Man kann Fragen stellen, unmittelbar reagieren, gemeinsam spielen und Fehler machen, ohne dass daraus gleich ein Drama wird. Musik lernt man nicht nur aus Erklärungen. Man muss sie erleben. Wenn junge Menschen nach einem Workshop mit mehr Selbstvertrauen nach Hause gehen oder plötzlich eine neue Idee haben, ist das ein schöner Erfolg.
 

Du kennst den internationalen Musikbetrieb. Was kann die große Bühne von einem kleinen Musikprojekt lernen?

Dass es um Menschen geht. Eine große Produktion kann technisch beeindruckend sein, aber auch ein kleines Konzert kann einen Menschen tief berühren. Entscheidend ist, ob etwas Echtes entsteht. Größe und Bedeutung sind nicht dasselbe!
 

Was nimmst du aus dem Burgenland mit, wenn du wieder zu Robbie Williams und auf die großen Bühnen der Welt zurückkehrst?

Ich hoffe, dass die jungen Musiker etwas aus unseren Begegnungen mitnehmen. Gleichzeitig nehme auch ich etwas mit: neue Eindrücke, interessante Gespräche und die Erinnerung daran, warum Musik für so viele Menschen eine wichtige Rolle spielt. Manchmal ist es gut, aus dem gewohnten Arbeitsumfeld herauszukommen und Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Der britische Bassist Jerry Meehan ist seit 2005 Teil der Liveband von Robbie Williams. Er hat die internationale Musikszene aus nächster Nähe erlebt, mit Größen wie Stevie Wonder und Bryan Ferry gearbeitet und sich längst auch als Produzent und Komponist einen Namen gemacht. Gleichzeitig engagiert er sich im Burgenland für musikalische Bildung und Kreativität.

Jerry Meehans musikalischer Weg führt von der klassischen Ausbildung über die Arbeit als Studiomusiker und Produzent bis auf die großen Konzertbühnen an der Seite von Robbie Williams. Er studierte Fagott, beschäftigte sich mit Komposition und Orchestrierung und entwickelte parallel seine Karriere als Bassist. Im Burgenland arbeitet er eng mit dem Sauerbrunner Musikmanager Stefan Trenker zusammen. Unter anderem organisieren sie gemeinsam das Team-building Seminar „Lead like a Rockstar.“
 

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