Gesundheit

Linderung für das unsichtbare Leid

„Reiß dich zusammen“ oder „Du musst einfach den Hintern hochbekommen“ – solche Sätze bekommen ME/CFS-Erkrankte zu hören, weil die Erkrankung von außen nur schwer zu erkennen ist. In der Klinik Oberwart werden Betroffene ernst genommen. Eine neue Ambulanz bietet in Kooperation mit dem Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf ein sechswöchiges Therapieprogramm an

Dr.in Veronika Matzi und Dr.in Elisabeth Schober besprechen neuen Therapieansatz für ME/CFS in Bad Tatzmannsdorf
Dr.in Veronika Matzi und Dr.in Elisabeth Schober (Ärztliche Leiterin Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf) setzen auf einen neuen Therapieansatz © Gesundheit Burgenland

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom – und so kompliziert der Name ist, so kompliziert ist auch die Diagnose. Denn die Erkrankung ist nicht eindeutig nachweisbar, es gibt keine speziellen Werte im Blut, die das Vorliegen von ME/ CFS bestätigen würden. Eine Diagnose wird daher anhand von unterschiedlichen Symptomen erstellt. Einige davon – Erschöpfung, Schmerzen, Schlafstörungen, Verstärkung der Beschwerden nach Belastung – sind Muss-Kriterien, dazu kommen weitere Einschränkungen, etwa in neurologischer oder immunologischer Hinsicht. Der Schweregrad variiert ebenfalls sehr stark: Leicht Betroffene können noch das Haus verlassen oder sind arbeitsfähig, schwer Erkrankte liegen in abgedunkelten Zimmern und ziehen sich komplett aus dem sozialen Leben zurück.

 

Vielversprechende Erfahrung mit Kombi-Therapie

Dr.in Veronika Matzi, ärztliche Direktorin der Klinik Oberwart: „Wir verfolgen einen neuen Ansatz, bei dem die orthomolekulare Substitutionstherapie in Kombination mit einer individualisierten Bewegungstherapie eine wesentliche Rolle spielt. Die Erfahrungen damit sind sehr vielversprechend. Ganz besonders wichtig sind auch die Einbindung und Aufklärung der Angehörigen.“ Das Team rund um Ambulanzleiter Dr. Engelbert Jeindl entscheidet, wer für das Therapieprogramm in Bad Tatzmannsdorf infrage kommt. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, beispielsweise müssen die Betroffenen noch selbstständig gehen können.

Positives Feedback der Pilotgruppe

Ein Therapiezyklus im Gesundheitsresort dauert sechs Wochen. Im Fokus der Behandlung steht ein multiprofessioneller und ganzheitlicher Zugang. Ein Team aus Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten kümmert sich um die Bedürfnisse der Betroffenen. Eine Pilotgruppe hat den Zyklus bereits absolviert: „Das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war positiv. Alle haben von einer subjektiven Verbesserung ihres Zustands berichtet“, so Matzi. Da es in Österreich noch keine flächendeckende Versorgung gibt, ist der Andrang sehr groß. Schätzungen zufolge leiden 80.000 Menschen bundesweit an ME/CFS, die Dunkelziffer dürfte aber höher sein. Mit der Ambulanz in der Klinik Oberwart nimmt das Burgenland hier eine Vorreiterrolle ein.

ME/CFS-Ambulanz in der Klinik Oberwart 

  • Jede Woche Dienstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet