Gesundheit

Mein Rendezvous mit dem eiskalten Händchen

… und dann wurde es nochmal kälter. Viel kälter. Minus 110 Grad Celsius, um das Kind beim Namen zu nennen. Der Mein Burgenland-Redakteur wurde – er muss hier schreiben freiwillig, Anm. d. Red. – ins REDUCE Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf, und dort in die Kälte geschickt. Im zugehörigen Kurmittelhaus steht nämlich das erste „Gerät“ für Kryo-Therapie, umgangssprachlich „Kältekammer“ genannt, im Burgenland. Spoiler: der Name ist Programm.

Dieser Winter 2024/2025 lässt uns jetzt schon länger bei niedrigen Temperaturen frösteln – wobei man hier auch realistisch bleiben muss: Es sind ein paar Grade unter Null, von Dutzenden Minusgraden über mehrere Wochen, wie es sie in meinen Kindheitstagen gab, sind wir weit entfernt. Dennoch – man freut sich nach dem dunklen Winter irgendwie schon wieder auf den Frühling und die Wärme; Spring is coming, quasi. Die Vorfreude ist definitiv da. Vor allem – jetzt plaudere ich aus dem privaten Nähkästchen -, wenn man drei Kinder hat und im Winter den Hustensaft, den Fiebersenker und die Zwiebel mit Honig schon als Abo dabeihat.

Bevor wir uns aber langsam wieder den längeren Tagen, hellen Morgenstunden und Übergangsjacken zuwenden, haben wir in der Redaktion noch beschlossen, uns dem Gegenteil hinzugeben. Das REDUCE Gesundheitsresort in Bad Tatzmannsdorf hat nämlich seit Kurzem eine neue Therapieform im Soft Opening im Angebot: die Kältekammer. Was? Klingt cool, dachte ich mir, als mein Chefredakteur nach einem freiwilligen Tester fragte und ich mich bereitwillig zur Verfügung stellte. Wirklich noch gar nicht ahnend, was mich da im Südburgenland erwarten sollte …

Ein Meeting mit den Eisbären

Nach einer ersten Recherche online und dem Telefonat zur Terminkoordination samt Informations-Einholung mit dem REDUCE begann es mich allerdings schon ein wenig zu frösteln. 

Haha, lacht mein Körper heute, Tage nach meinem Besuch der burgenländischen (Ant-)Arktis, über diesen schlechten Wortwitz. Denn was frösteln bedeutet, das kann man sich davor wirklich nicht einmal vorstellen. Denn die ersten Ergebnisse, die meine Nachforschungen ergaben, waren: eine Kammer, ähnlich einer Kühlkammer beim Fleischer o.Ä., minus 110 Grad Celsius, mehrere Minuten, toll für den Kreislauf (ja so wie Eisbaden, machen muss man es trotzdem erst einmal), super neu und hip. OK. So weit, so – gut? Na ja.

In Tatzmannsdorf steht eine Kältekammer (und kein Hofbräuhaus)

Genauere Recherche fördert spannende Details rund um die sogenannte Kryo-Therapie zutage: Kryo kommt aus dem Griechischen, Kryos bedeutet – natürlich – Kälte, kalt. Unweigerlich muss man da finde ich an das nasse Pendant, das Eisbaden, denken, das ja vor allem durch Sportler mittlerweile große Bekanntheit erlangt hat. Und ja, mit den Effekten auf den Körper ist man da auch in einem ähnlichen Bereich: Die Kältekammer-Therapie kann in der Medizin, im Sport- und Beautybereich eingesetzt werden. Die extremen Bedingungen von -110 Grad Celsius stimulieren den Körper auf einzigartige Weise – wie sich das anfühlt, dazu weiter unten Genaueres – und setzen so eine Vielzahl von körpereigenen Dingen in Gang. So sind als positive Effekte unter anderem Schmerzlinderung, Stärkung des Immunsystems und Ankurbelung des Stoffwechsels nachgewiesen. Noch dazu soll diese kurze Zeit in der extremen Kälte Endorphine im Körper freisetzen, die einen pures Glücksgefühl verspüren lassen und einen wahrlich wohlig einlullen. Haha, denkt sich mein inneres Ich wieder – klar, weil man überlebt hat. Muss man sich ja freuen. Aber wie gesagt, zu den wahren Gefühlen später mehr.

Für die Kältekammer im REDUCE hinkt mein vorher gezogener Vergleich mit der Kühlkammer natürlich gewaltig – ist dieses Exemplar auf dem neuesten Stand der Technik und mit personalisierbarer Farbgebung sowie Musik über Kopfhörer ausgestattet, ein Tablet zeigt die verbleibende Zeit des Verbleibens an. Verwendet wird hier ein Zwei-Kammer-System: Die erste dient der Eingewöhnung, hier verweilt man eine Minute bei – im Nachhinein lächerlichen – minus 40 Grad. Danach geht’s ans Eingemachte; wobei, Einmachen funktioniert eher unter Wärme, da ist das keine passende Metapher. Eher: Danach folgt der Sprung ins kalte Wasser. Drei lange Minuten bei minus 110 Grad Celsius – in Worten: minus einhundertzehn (!) Grad Celsius. Hat man das überstanden, kommt man für eine „Abkühlungsphase“ (haha) noch einmal für eine Minute in die erste, lächerliche 40er-Kammer, bevor einen die fantastische Mitarbeiterin dann endlich wieder in die ursprünglichen, wohligen 24 Grad nach draußen entlässt. Für alle, die jetzt schon überlegen, aber Sicherheitsbedenken haben: Ja, man kann natürlich jederzeit abbrechen und jede Kammer zu jeder Zeit verlassen.

Als ich in die Kälte ging …

Was habe ich mir erwartet? Um ehrlich zu sein, habe ich mit heftigen (Schutz-)Reaktionen meines Körpers gerechnet, um mit dieser extremen Belastung umzugehen: Schüttelfrost, unangenehme Muskelanspannung, so etwas wie Panik?! Natürlich wurden diese ersten „Angstreaktionen“ vom superprofessionellen Team des REDUCE sofort zerstreut, aber ein mulmiges Gefühl blieb natürlich beim Betreten der minus 40 Grad kalten Kammer Nummer 1. Aber machen wir es chronologisch: Angekommen im REDUCE Gesundheitsresort und in der dortigen Heimat der Kryo-Therapie, dem Kurmittelhaus, werde ich sofort von der tollen Sabine in Empfang genommen, um eine kurze Einführung zu bekommen, ein Formular auszufüllen, Blutdruck und so zu messen. Dann geht’s los, man entledigt sich seiner Kleidung, schmeißt sich in seine beste – oder welche man auch immer zur Hand hat – Badehose, springt wieder in seine Schuhe (samt darunterliegenden Socken). Wohlgemerkt befindet man sich jetzt in den Therapie-Räumlichkeiten des REDUCE, wo es wohlfeile 24 Grad hat. So. Von meiner Freundin Sabine werde ich mit den essentiellen, klassischen Kältekammer-Accessoires ausgestattet: Handschuhe, Bluetooth-Kopfhörer, Mundschutz. Die äußersten Enden des Körpers, sozusagen, sollten nämlich schon vor der extremen Kälte geschützt sein, vor allem die ohne Fett; denn da wird’s schon richtig, richtig frostig. So, jetzt gilt’s. Zu den wundervollen, motivierenden Klängen von ABBAs Evergreen Dancing Queen starte ich mit einem letzten Hinweis  von Sabine in die minus-40-Phase: Atmen solle ich schön ruhig, die kalte trockene Luft ist schon gewöhnungsbedürftig. Das sei übrigens der häufigste Grund, warum Leute abbrechen. Aber: No worries, ist alles cool. Na danke sehr, haha wieder einmal.

Hilft ja nix, also rein: Im Nachhinein muss ich ehrlich sagen, dass der Schritt von den süßlichen 24 Grad Plus draußen in die 40 unter Null fast schlimmer sind als der Wechsel von minus 40 in die Eiseskälte von minus 110 Grad Celsius. So weit, so gut. Steh ich da, mit Blick auf das Tablet draußen, das die Restzeit anzeigt, und warte. 2, 1, 0 … ab geht’s zu den Eisbären. Boom. Ja, das ist schon noch einmal eine andere Liga. Von der 1. Klasse West Mitte in die Bundeliga. Es dampft ordentlich, als ich den kleinen, nach meinem Wunsch blau eingefärbten Raum betrete und die Tür hinter mir schließe. Dann bin ich da. Wow. Minus 110 Grad fühlen sich also so an. Gar nicht so schlimm. Cool. Ich habe noch den Tipp bekommen, mich mehr oder weniger unentwegt zu bewegen, da man so dem Körper natürlich hilft, mit der Kälte umzugehen. Also fange ich an, ein paar lächerliche Box-Schwünge im besten Rocky-Balboa-Stil zu vollführen – ja, wirkt. Am meisten spürt man die tatsächliche Kälte an exponierten Stellen, bei mir sind‘s die Oberschenkel. Aber: Rocky wirkt, und so zeigt die Uhr plötzlich nur mehr 15 Sekunden an. Da, muss ich gestehen, bin ich dann schon froh, jeden Moment wieder in die karibischen minus 40 wechseln zu können. 

Hier noch eine Minute verbüßen, dann holt mich eine grinsende Sonja zurück ins milde burgenländische REDUCE Resort. Expedition vollendet. Fühle mich wie Edmund Hillary; mindestens. Spaß beiseite, aber ein wenig Stolz erfüllt mich schon, diese Challenge nun „geschafft“ zu haben, und dann setzt es auch wirklich ein: das viel beschriebene Glücksgefühl. Von der Endorphinausschüttung habe ich,  so denke ich zumindest, also wirklich etwas gemerkt. Als ich mich wieder in mein Alltagsgewand schmeiße und Sonja und meiner Kollegin, der Fotografin von meinen Erfahrungen berichte, ist mir – schlichtweg – perfekt wohlig-warm. Ich fühle mich gut, froh, ausgeruht und – man bedenke jetzt noch einmal die oben erwähnten drei Kinder – sehr munter. Wow, das kommt nicht oft vor.

Mein eiskaltes Resümee des tatsächlichen Kältegefühls: Ich habe oben die Metapher mit dem Sprung ins kalte Wasser bedient, aber: eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall, weshalb der Körper die extremen Minusgrade auch so gut wegsteckt: Es herrscht eine Luftfeuchtigkeit von fast Null Prozent, man steht also in extrem trockener Luft. Und wenn es uns im Alltag fröstelt, bewegen wir uns in unseren Breitengraden im Winter eher bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis (selten) 80 Prozent – diese feuchte Kälte, noch dazu gepaart mit Wind, ist es, die uns das weit schlechter wegstecken lässt. Um Sie, werter Leser, noch einmal mit einer Langweiligkeit aus meinem Leben zu belästigen, was es aber ziemlich greifbar macht: Wenn ich an einem Morgen im Jänner bei Null Grad meinen Hund Winston für sein erstes Schnell-Geschäft in meinem Pyjama vor die Haustüre lasse, ist mir kälter.

Nachsatz: Leider ist die Antwort nein. Ich habe da drinnen keine Eisbären getroffen. Auch keine Pinguine. Schade eigentlich.

Ich freue mich schon aufs nächste Mal. Wer jetzt Lust und Laune verspürt, sich das auch anzuschauen, hier geht’s lang: reduce.at