Interview
Mut kann man nicht kaufen: Zirkusakrobat Stefan Dvorak hat starke Nerven
Martin Hollweck: Wie hast du deine Leidenschaft für den Zirkus und für die Akrobatik entdeckt?
Stefan Dvorak: Als ich ein kleiner Junge war, faszinierten mich Tiere immer sehr. Dafür war der Zirkus immer ein geeigneter Ort, da man diese hautnah erleben konnte. So entwickelte sich nach einigen Besuchen, auch ein Interesse für Zirkus und Akrobatik. Mit meiner Mutter habe ich zu dieser Zeit ausgemacht jede Woche eine Stunde, Videos im Internet über diese Thematik zu sehen. In einer dieser wurde die Disziplin Rolla Rolla genauer vorgestellt, und es hat mich direkt voll fasziniert. Nach einiger Überzeugungsarbeit fuhr mein Vater mit mir nach Wien und ich habe meine erste eigene Rolle und eigenes Brett bekommen. Das war vor mehr als zehn Jahren und seither ist kaum ein Tag vergangen an dem ich nicht auf den Rollen stand.
Was fasziniert dich daran?
Der große Reiz an Rolla Rolla und Zirkus bzw. Variété ist für mich der Fakt, dass man das, Publikum mit seinem eigenen Können unterhalten kann und sie für einige Minuten aus ihrem Alltag abholen zu können. Es gibt kaum schönere Gefühle für mich, als zu sehen, dass dem Publikum gefällt, was man tut, und sich von der Nummer unterhalten fühlt. Außerdem verliert es nie den Reiz, da es immer eine Möglichkeit gibt, besser zu werden und jede Show völlig anders und so auch neu ist.
Wie gehst du mit dem Risiko um? Bist du nervös vor einem Auftritt?
Außer vor meiner Teilnahme beim Zirkusfestival in Monte Carlo bin ich eigentlich nie nervös. Teilweise trete ich wochenlang jeden Tag mehrere Male auf und so fühlt es sich ganz natürlich an. Statt Nervosität ist es bei mir jedes Mal mehr die Freude wieder aufzutreten. Trotz der hohen Intensität, die manche Engagements mit sich bringen darf, man nie in eine Routine kommen und das Risiko, dass diese Nummer mit sich bringt, vernachlässigen. Ich befinde mich teilweise in bis zu 4,5 Meter Höhe ohne jegliche Sicherung. So muss man bei jeder Show die Höchstleistung an Konzentration erbringen und jede Show als spezielle sehen. Es darf niemals zu locker genommen werden. Das Gleiche gilt auf für das Training. Vor allem bei neuen Tricks ist es immer wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und sich im Prozess, vor allem für den mentalen Aspekt, Zeit zu lassen. Man darf nie Angst haben, aber es ist trotz alledem wichtig, nie den Respekt vor der Nummer zu verlieren.


Wie gehst du mit dem Risiko um? Bist du nervös vor einem Auftritt?
Außer vor meiner Teilnahme beim Zirkusfestival in Monte Carlo bin ich eigentlich nie nervös. Teilweise trete ich wochenlang jeden Tag mehrere Male auf und so fühlt es sich ganz natürlich an. Statt Nervosität ist es bei mir jedes Mal mehr die Freude wieder aufzutreten. Trotz der hohen Intensität, die manche Engagements mit sich bringen darf, man nie in eine Routine kommen und das Risiko, dass diese Nummer mit sich bringt, vernachlässigen. Ich befinde mich teilweise in bis zu 4,5 Meter Höhe ohne jegliche Sicherung. So muss man bei jeder Show die Höchstleistung an Konzentration erbringen und jede Show als spezielle sehen. Es darf niemals zu locker genommen werden. Das Gleiche gilt auf für das Training. Vor allem bei neuen Tricks ist es immer wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und sich im Prozess, vor allem für den mentalen Aspekt, Zeit zu lassen. Man darf nie Angst haben, aber es ist trotz alledem wichtig, nie den Respekt vor der Nummer zu verlieren.
Wie schaut dein Alltag als Zirkusakrobat aus?
Einen festen Alltag zu beschreiben ist tatsächlich nicht möglich. Denn bei jeder Verpflichtung gibt es völlig andere Gegebenheiten, was diesen Beruf auch so speziell macht. Grundsätzlich unterscheidet sich mein Alltag aber davon ob, eine Show gespielt wird oder nicht. An showfreien Tagen steht meist das Training im Vordergrund. Außerdem können solche Tage gut genutzt werden, um Requisiten in Stand zu halten, da für solche Tätigkeiten an Showtagen eher wenig Zeit bleibt.
An Showtagen beginnt mein Tag meist so gegen 9 Uhr da die meisten Shows erst spät abends sind. Um genügend Abstand zwischen Showbeginn und Training zu habe, beginnt mein tägliches Training meist schon sehr früh, um ein Zeitfenster von ca. drei Stunden zwischen dem Trainingsende und dem Beginn der Veranstaltungen einhalten zu können, so dass der Körper ausreichend Zeit hat, um sich auszuruhen. Dann folgt einer meiner Lieblingsaktivitäten neben Training – Essen J. Bis zur Show nutzte ich dann die Zeit oft, um sich einfach auszuruhen oder ich erledige administrative Dinge die im Rahmen meiner Selbstständigkeit als Artist zu erledigen sind. Eine Stunde vor Showbeginn mache ich mich für meinen Auftritt bereit und ziehe mich um. Nach den Auftritten steht außer einem reichlichen Abendessen nicht mehr viel auf dem Plan. Manchmal gehen alle Artisten gemeinsam Essen oder in eine Bar, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.
Wie oft trainierst du? Hast du eine spezielle Ernährung?
Wie bereits erwähnt hängt die Intensität und der Trainingsrhythmus davon ab, ob an dem Tag eine Show gespielt wird oder nicht. An auftrittsfreien Tagen trainiere ich ca. fünf Stunden pro Tag. Außerdem gehe ich als Ausgleich oft Radfahren um den Körper, neben dieser einseitigen Belastung, die Rolla Rolla mit sich bringt, anders betätigen zu Können. An Showtagen beläuft sich mein Training meist auf zwei bis maximal drei Stunden, um genügend Energie für die Veranstaltung zu haben. Während bei langen Trainingseinheiten vor allen neue Tricks geübt werde, konzentriere ich mich an Showtagen eher darauf der bereits gelernte aufrechtzuerhalten bzw. weiter zu perfektionieren. Rolla Rolla ist leider nicht wie Fahrradfahren. Viele Tricks verschwinden bei zu wenig Training sehr schnell wieder und es ist ein sehr mühsamer Prozess, diese wieder von fast Neue zu erlernen. Ich trainiere Minimum sechs Tage die Woche. Meist schaffe ich es jeden Tag zu trainieren, wenn ich aber fühle, dass mein Körper eine kleine Pause braucht, dann nutzte ich eben manchmal einen Tag der Woche rein für Regeneration.
Um fit zu bleiben, achte ich darauf, ausreichend Gemüse und Obst zu mir zu nehmen und auf Zucker zu vermeiden. Da ich aber Essen und vor allem Süßes liebe, gelingt das oft nicht ganz so gut – Ernährungstechnisch besteht noch viel Verbesserungsbedarf.
Welche Fähigkeiten braucht es, um ein guter Akrobat zu sein?
Die Akrobatik verbindet meiner Meinung nach Sport mit Unterhaltung. Zum einen muss ein guter Akrobat das technisch höchstmögliche in seiner Disziplin beherrschen und ständig den Willen und Motivation zu Verbesserung habe. Der meiner Meinung nach aber genauso wichtig Aspekt ist die Unterhaltung. Ein Show Act muss einen gewissen Unterhaltungsfaktor mit sich bringen und das Publikum in seinen Bann ziehen. Eine Bühnenpräsenz und ein Gespür für das Publikum sind ganz wichtig. Man muss das Publikum lesen lernen und sich so auch an dieses anpassen. Dies braucht viele Jahre Erfahrung, und obwohl ich bereits seit neun Jahren auf der Bühne stehe, lernt man jeden Tag neu hinzu. Außerdem muss man die Fähigkeit besitzen, immer die Ruhe zu bewahren und sich von nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Jede Show ist live. Manchmal gibt es ein technisches Problem und das Licht ist anders als gewohnt, einen Tag ist die Live-Band beim Spielen der Musik schneller, und so weiter und so weiter… Kein Tag ist so wie der andere und das finde ich auch gut so. Außerdem ist Durchhaltevermögen eine besonders wichtige Fähigkeit, um dem vielen Training und Shows standhalten zu können.

Was sind deine Zukunftspläne?
In Zukunft möchte ich mich weiter voll auf meinen Rolla Rolla Act konzentrieren. Ich möchte zum einen das technische Niveau stetig weiter verbessern und viele weiter Rekorde aufstellen. Natürlich hat sich durch meine Teilnahme an Zirkusfestival von Monte Carlo einer meiner größten Träume erfüllt. Trotz alledem habe ich viele weitere Traumorte, wie beispielsweise das Moulin Rouge in Paris, an denen ich weiterarbeiten werden, um in naher Zukunft dort mit meiner Nummer auftreten zu können. Außerdem wäre ein Ziel von mir, eines Tages meine eigene Show auf die Beine zu stellen und dann, auch wenn es mir nicht mehr selbst möglich ist aufzutreten, die Showbranche nicht ganz verlassen muss. Jetzt im Moment möchte ich mich aber auf Rolla Rolla konzentrieren und ich hoffe noch ganz viele Jahre, Publikum auf der ganzen Welt unterhalten zu können.
