Mobilität

„Noch mehr Fahrgastkomfort im Jahr 2025“

Wolfgang Werderits, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Burgenland (VBB), über die beliebtesten Buslinien, die Erfolgsstory BAST, seine bislang größte Herausforderung und die Neuerungen für 2025.

Im vergangenen Jahr waren rund 1,1 Millionen Fahrgäste mit den Linien der VBB unterwegs. Welche Linien sind besonders beliebt?

Werderits: Von den absoluten Fahrgastzahlen natürlich die Linie B01 vom Südburgenland nach Wien, aber was mich natürlich besonders freut, ist, dass die Linie B10 vom Bahnhof Parndorf ins Designer Outlet Parndorf sehr stark genutzt wird. Die Stammlinien B1 (Güssing – Graz), B2 (Oberwart – Graz) und unsere neue und im Verkehrsverbund Ostregion aktuell beliebteste Linie B14, welche das Land vom Süden bis nach Eisenstadt verbindet. Sehr gut entwickelt hat sich auch die Linie B9 von Oberwart über Pinkafeld und Schäffernsteg nach Wiener Neustadt, hier haben wir kürzlich erstmals die 2.000er-Marke überschritten.

Was zeichnet das Busliniennetz der VBB besonders aus?

Wir haben ein für das Burgenland neues Hauptachsensystem, welches von den Bezirksvororten Jennersdorf, Güssing und über Oberwart als zentraler Umstiegsort sowie Steinberg/ Dörfl (Oberpullendorf) und Mattersburg nach Eisenstadt eine leistungsfähige vertikale Achse mit attraktiven Fahrzeiten bildet, ins Leben gerufen. Der Bezirk Neusiedl am See wird ja mit der Neusiedler Seebahn sowie den bestehenden Linien entlang der B50 bereits sehr gut bedient. Die horizontalen Achsen auf der B18 von Deuschkreutz Bahnhof nach Weppersdorf sowie die B 16 von Rechnitz über Großpetersdorf nach Oberwart ergänzen entlang der dort liegenden Orte das Angebot als Zu- und Abbringerkurse.

VBB-ERFOLGSZAHLEN

  • 1,15 Millionen Fahrgäste im Jahr 2024
  • 15 Millionen Kilometer pro Jahr
  • rund 115.000 BAST-Fahrgäste
  • 3.711 BAST-Haltepunkte und Haltestellen im ganzen Land
  • 90 Omnibusse und 80 Pkws im Einsatz
  • 90 Buslenkerinnen und Buslenker
  • Rund 150.000 Anrufe beim VBB-Kundendienst pro Jahr

Eine Erfolgsstory ist auch das Burgenländische Anruf-Sammeltaxi (BAST), das nun in allen Bezirken des Landes unterwegs ist. Was ist der große Vorteil von BAST?

Man kommt mit dem für den Linienverkehr als Zusatzangebot zu verstehenden Burgenländischen Anruf- Sammeltaxis grundsätzlich in jede Ortschaft. Dies soll aber nicht als „Privattaxi“ verstanden werden, sondern, wie schon im Wort festgehalten, handelt es sich um ein Sammeltaxi. Man muss es jedenfalls zeitgerecht vorbestellen und es fährt von Montag bis Sonntag nach vorigem Anruf. Hier werden alle Tickets, welche im Verkehrsverbund Ost Region gelten, anerkannt, also etwa auch das Klimaticket Österreich.

Sie haben den Kundendienst der VBB als Ihr Herzstück bezeichnet. Warum?

Hier haben wir eine Mobilitätsleitstelle für den gesamten öffentlichen Verkehr im Burgenland eingerichtet. Diese ist 24/7 unter der kostenfreien Rufnummer 0800/500 805 erreichbar. Wir hatten im vergangenen Jahr rund 150.000 Anrufe auf dieser Hotline. Die Damen und Herren disponieren auch bei unvorhersehbaren Verkehrsbehinderungen oder bei Ausfällen von Kursen um.

Die ersten großen Feuertaufen hatten sie beim Hochwasser im Juni und August 2024, aber auch bei einigen Verkehrszwischenfällen auf der Südautobahn A2 im Raum von Wien beziehungsweise Niederösterreich, welche unmittelbar auf die Linienbusse im Mittel- und Südburgenland Auswirkung haben. Dann gilt es, binnen kürzester Zeit für Ersatzfahrzeuge zu sorgen und die Fahrgäste weiterzubefördern. Auch sind sie erster Ansprechpartner bei Notfällen in den Kliniken der Gesundheit Burgenland, welche keinen Blaulichteinsatz erfordern.

Wie gehen die Verkehrsbetriebe mit dem Mangel an Busfahrern um?

Wir haben eine eigene VBB-Akademie gegründet, wo wir auch Quereinsteiger und Lkw-Fahrer selbst zu Busfahrern ausbilden. Der Interessent wird vom ersten Tag an angemeldet und hat dann 28 Tage Zeit, um die komplette Ausbildung zu absolvieren. Dabei sind ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs, die Fahr- und Theoriestunden in der Fahrschule sowie die interne Schulung inkludiert. Mit Absolvierung der Fahrprüfung sowie der D95-Prüfung wird man dann auf den Linien eingesetzt. Im vergangenen Jahr konnten wir bereits 21 Damen und Herren ausbilden. Über die Anmeldung von Damen freuen wir uns natürlich besonders.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung in Ihrer Position und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größte Herausforderung war die Vorbereitung und Planung zur Umstellung des Fahrplans um den 4. September 2023, wo wir im Vorfeld alle Linien im Burgenland übernahmen und das Haupt- und Querachsensystem im gesamten Land ausrollten. Gleichzeitig startete das BAST in den Bezirken Jennersdorf, Güssing, Oberwart und Oberpullendorf. Wir mussten Fahrzeuge und Personal in den Dienst stellen, aber auch die Planungsdaten rechtzeitig veröffentlichen.

Gibt es eine Geschichte aus dem Alltag der Verkehrsbetriebe, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das war sicher die Corona-Krise, wo wir die Corona-Tests mehrmals täglich vom gesamten Bundesland abholten und ins zentrale Labor bringen mussten, aber natürlich auch der Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Wir wurden mit der Abholung von geflüchteten Frauen und Kindern vom Grenzübergang Vysné Nemecké an der slowakisch-ukrainischen Grenze beauftragt. Da war ich dann gleich 14 Tage vor Ort und koordinierte mit dem Einsatzstab in Eisenstadt die Abholung der Vertriebenen.

Gibt es eine Geschichte aus dem Alltag der Verkehrsbetriebe, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das war sicher die Corona-Krise, wo wir die Corona-Tests mehrmals täglich vom gesamten Bundesland abholten und ins zentrale Labor bringen mussten, aber natürlich auch der Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Wir wurden mit der Abholung von geflüchteten Frauen und Kindern vom Grenzübergang Vysné Nemecké an der slowakisch-ukrainischen Grenze beauftragt. Da war ich dann gleich 14 Tage vor Ort und koordinierte mit dem Einsatzstab in Eisenstadt die Abholung der Vertriebenen.

„Wir haben eine eigene ,VBB-Akademie‘ gegründet, wo wir auch Quereinsteiger und Lkw-Fahrer selbst zu Busfahrern ausbilden.“

WOLFGANG WERDERITS, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Burgenland (VBB)

 

Welche Neuerungen sind im Jahr 2025 geplant?

Für 2025 planen wir den Austausch der bestehenden alten Busse im Sinne von Fahrgastkomfort und vor allem Barrierefreiheit. Die neuen Busse sind im Fernlinienbereich zumeist mit Toilette, aber alle mit Rollstuhlrampe ausgestattet. Die Echtzeitanzeigen an den Haltestellen wollen wir intensivieren, damit Fahrgäste über an- und abfahrende Busse genauer informiert werden. Die bestehenden Park&Ride-Anlagen im Burgenland werden wir ausbauen und mit Wartehäuschen „Marke Burgenland“ versehen. Die Fahrscheinautomaten in den Bussen werden gegen die neueste Generation ausgetauscht, um hier noch genauere Fahrgastzahlen zu erhalten und Fahrgastströme für die weitere Verkehrsplanung erkennen zu können.