Kultur
Unser Mann in Hollywood
Weihnachten wird Benjamin Knöbl wieder in Marz verbringen. Nach drei Jahren in Dubai und zwei Jahren in Boston lebt der 34-Jährige seit 2015 in Los Angeles. Seine Heimat besucht er regelmäßig. An das Leben in Amerika hat er sich gewöhnt. „Amerika ist speziell, weil es unserer Kultur zwar sehr nahe steht, aber beim genaueren Hinschauen
dann doch wieder ganz anders ist“, erzählt Knöbl. Bisher hat er neun Kurzfilme gedreht, davon drei größere Produktionen mit professionellen Teams und größerem Budget.

Benjamin Knöbl im Interview
Momentan steht bei Knöbl sein neuer Film „Red Lilies“ im Fokus. Es geht um einem Fremden, der das 6-jährige Mädchen Lily in einem kleinen Haus mitten im nirgendwo weglocken möchte. Was danach passiert wird das Leben aller für immer verändern. Der Film wird aktuell bei Festivals weltweit eingereicht.
„Mein Ziel ist, als Regisseur in L. A. weiterzukommen, und Networking ist dabei wichtig. Nebenher arbeite ich an neuen Ideen für Filme, unter anderem an einer Horrorfilmidee, die eine burgenländische Sage zur Grundlage hat“, so Knöbl.
Im Interview verrät der 34-Jährige, warum er noch immer stark mit seiner Heimat verbunden ist und warum auch ein „Oscar“ nicht ganz unrealistisch ist.
Du bist in Marz aufgewachsen und in Katzelsdorf ins Gymnasium gegangen. Man kann sagen auf überschaubarem Terrain. Woher kommt dein Drang in die Ferne?
Der Drang in die Ferne kommt wohl ein bisschen vom umtriebigen Leben meiner Eltern, die mich und meine Schwester schon früh auf Reisen in ferne Länder mitgenommen haben. Als wir dann zu viert für drei Jahre in Dubai waren, hat sich dann wirklich das Tor in die weite Welt geöffnet. Ich wollte mehr sehen, mehr erleben. Und als ich dann auf eine Uni in den USA aufgenommen wurde, hab ich mir gesagt: Jetzt versuche ich es mal alleine in die große weite Welt zu treten.
Welche Erinnerungen hast du an deine Jugendjahre im Burgenland?
Eigentlich nur schöne, deshalb komme ich auch immer sehr gerne auf Heimaturlaub nach Marz. Vor allem die Dorfgemeinschaft in Marz und der Zusammenhalt in der Familie sind für mich sehr wichtige Dinge, die mich an meine Jugend im Burgenland erinnern. Auch die vielen Feierlichkeiten wie Pfarrfest, Kirtag oder einfach Weihnachten und Ostern - das sind alles Schlüsselmomente an die ich mich gerne zurückerinnere. Da spürt man diesen Zusammenhalt.
Wie hat sich deine Liebe zum Film entwickelt, wodurch wurde sie geweckt?
Kunst und Kultur waren schon immer mein Steckenpferd. Zuerst habe ich mit sechs Jahren angefangen Cello und Klavier zu spielen. Meine beste Freundin und ich haben zu der Zeit schon Kurzfilme mit der Kamera meines Vaters gedreht. In meiner Teenager Jugend habe ich dann angefangen mir die Klassiker der Filmgeschichte anzusehen - Kubrick, Fellini, Kurosawa, Almodóvar und viele mehr. Das hat dann eine richtige Faszination entwickelt. Ich wollte immer mehr über die Filmwelt wissen und habe angefangen Drehbücher zu erarbeiten, die ich dann mit meiner Schwester, Freunden und Familie als Schauspieler gedreht habe. So bin ich dann zum Filmstudium gekommen.
Woher holst du dir die Ideen für deine Filme?
Ideen für neue Filme kommen aus den verschiedensten Quellen. Meistens inspiriert mich etwas ganz spontan, und manches Mal suche ich nach einer bestimmten Idee für ein Projekt. Bei Red Lilies hat es tatsächlich mit der finalen Länge des Films begonnen. Ich wollte eine Idee finden, die sich in 10-15 Minuten erzählen lässt. Meine Liebe für Märchen und Sagen hat dann die Inspiration für die Geschichte gebracht.


Träumst du manchmal von einem „Oscar“?
Träumen darf man immer. Das Besondere an Hollywood ist, dass du einen Magneten für Filmemacher hast. Die Möglichkeit, hier Film zu produzieren, ist für mich die größte Ehre. Und einen Oscar zu gewinnen wäre die Kirsche obendrauf.
Was fasziniert dich an Amerika? Was vermisst du?
Amerika ist sehr speziell, weil es unserer Kultur zwar augenscheinlich sehr nahe steht, aber beim genaueren Hinschauen dann doch wieder ganz anders ist. Was mich fasziniert ist die “Alles ist möglich” Mentalität, wenn man sich nur richtig anstrengt. Der klassische Traum vom Tellerwäscher zum Millionär ist noch stark in den Köpfen der Amerikaner verankert. Das merkt man auch daran, dass sie zum Beispiel sehr selten Urlaub machen und am liebsten mit Arbeiten beschäftigt sind. Das steigert einerseits die Erfolgschancen, andererseits fehlt mir aber hin und wieder die Gelassenheit und die “echte Gemeinschaft”, die wir bei uns zuhause haben. Dieses “mal runterkommen und einfach gemeinsam zu sein”. Es heißt nicht umsonst hier “Work hard, play hard”, aber manchmal vermisse ich es einfach mal „zu sein“.
Aufführung in Mattersburg
Im Burgenland wird „Red Lilies“ am 30. Dezember im Cineplexx Mattersburg aufgeführt. Dazu werden auch die Kurzfilme „Impetus“ und „Four Alwaan“ gezeigt. Benjamin Knöbl wird bei der Aufführung vor Ort sein. Karten bei Gertraud Knöbl unter 0664/2267117. Beginn ist um 18 Uhr.
