Kultur

Wenn in Stoob die roten Rosen blühen

Mit 92 Jahren ist die Stooberin Brigitte Antonius die älteste Seriendarstellerin im deutschsprachigen Raum, möglicherweise sogar in Europa. Ans Aufhören denkt sie nicht. 

Ob im Burgtheater, in Übersee oder in der Lüneburger Heide bei der Telenovela „Rote Rosen“: Brigitte Antonius war viel unterwegs und ist auch mit 92 Jahren noch topfit. „Ich habe am Kopf stehend meine Rollen gelernt. Das ist wunderbar“, erzählt sie lachend. Auch heute noch rezitiert sie fehlerfrei den ersten Akt der „Kassandra“ von Christa Wolf.

Prominente Weggefährten

Ihre ersten Bühnenengagements hatte sie in den 50er-Jahren in Wien und in Graz. Ihren ersten Film drehte sie 1956: „Das Hirtenlied vom Kaisertal“. Auch beim Klassiker „Hallo Taxi“ mit Hans Moser und Paul Hörbiger war sie dabei, genauso wie bei „Komm, süßer Tod“ mit Josef Hader. Sie hatte Gastauftritte in vielen bekannten deutschsprachigen Fernsehserien, von „Tatort“ über „Klinik unter Palmen“, „Kommissar Rex“ bis zu „Der Bulle von Tölz“. „Eigentlich bin ich eine Film- und Theaterschauspielerin. Serien habe ich erst mit 62 gedreht“, erzählt Antonius.

Soloprogramme in der ganzen Welt

Brigitte Antonius hat viel gesehen. Die Liste ihrer Tourneeorte ist eindrucksvoll und lang: New York, Mexiko- Stadt, Istanbul, Paris und Israel sind nur einige ihrer Stationen. „Ich konnte 14 Stunden Soloprogramm frei aufsagen. Ich habe ein gutes Gedächtnis“, erzählt sie lachend.

Der Ruf der Heimat

Die Schauspielerei hat sie nicht angestrebt. „Ich wollte eigentlich wie mein Vater Medizin studieren“, erzählt Antonius in ihrem wunderschönen Streckhof in Stoob, den sie 1981 erworben hat. „Ich bin in Oberpullendorf aufgewachsen, mein Vater war dort im Spital der erste Primar. Das Burgenland ist meine Heimat.“ Ihre Kindheit war nicht leicht: „Ich war 12 Jahre alt, als wir im Krieg vor den Russen nach Oberösterreich geflohen sind. Ich hatte zwei kleine Geschwister und eine kranke Mutter und musste immer die Starke sein.“

Ihr Großvater war evangelischer Pfarrer, sie war immer tiefreligiös. „Der Glaube hat mir geholfen. Aber ich habe kein Lebensgeheimnis. Drücken Sie mir die Daumen, dass ich noch lange gesund bleibe.“ Derzeit dreht der NDR eine Dokumentation über sie. Am 5. Mai geht es wieder zu den „Rote Rosen“-Dreharbeiten in die Lüneburger Heide.