Interview

Wir müssen über HPV reden - und zwar mit Mädchen und Burschen!

Bis 31. 12. 2025 ist die HPV-Impfung in ganz Österreich für unter 30-Jährige kostenlos. Für über 30-Jährige ist der Impfpreis im Burgenland  bis 31. 12. 2026 auf 154,- Euro reduziert, inklusive vergünstigtem Impfhonorar. Dr.in Michaela Klein, Vorständin der Krebshilfe Burgenland und Gynäkologin, spricht im Interview über Mythen, Missverständnisse und warum die HPV-Impfung Leben retten kann.

Bursch der geimpft wird
Auch für Burschen und Männer ist die Erkrankung an HPV ernstzunehmen

HPV –

drei Buchstaben, die viel bewirken können. Die humanen Papillomaviren sind keine neue Erfindung, sondern uralte Begleiter der Menschheit, sogar bei Dinosauriern wurde ihr Erbgut nachgewiesen. Dennoch wissen viele Menschen bis heute nicht, welches Risiko hinter diesen Viren steckt. „Rund 200 HPV-Typen sind bekannt, etwa 40 davon sind onkogen, also krebserregend”, erklärt Michaela Klein. Besonders betroffen sind Schleimhäute, und der Hauptübertragungsweg ist sexueller Kontakt, nicht nur direkt durch Penetration, sondern in all seinen Formen. „HPV betrifft nicht nur Frauen, sondern genauso Männer”, betont die Gynäkologin. Während Frauen vor allem von Gebärmutterhals-, Scheiden- oder Scheideneingangskrebs betroffen sind, besteht bei Männern vor allem Gefahr vor Krebserkrankungen im Mund- und Nasenbereich. „Deshalb ist so wichtig, dass wir auch Eltern und Burschen aufklären. Die HPV-Impfung ist keine ‚Gebärmutterhalskrebsimpfung‘, sondern eine Krebsimpfung für alle.”

Halbwissen schützt nicht

Rund um HPV kursieren zahlreiche Mythen. „Ich höre oft: ‚Mein Sohn ist beschnitten, der braucht keine Impfung‘, aber das stimmt nicht”, so Klein. Auch das Kondom bietet nur bedingt Schutz: „Es reduziert das Risiko einer Ansteckung zwar um etwa 50 Prozent, aber nicht vollständig. Jede Form sexuellen Kontakts kann HPV übertragen. Wenn wir uns zu 100 Prozent schützen wollten,  müssten wir Ganzkörperlatex tragen”, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Die Impfung als Schlüssel zur Prävention

„Die HPV-Impfung ist die einzige Impfung, die direkt vor Krebs schützt”, erklärt Klein. Die HPV-Impfung ist zwischen dem neunten und zwölften Geburtstag am wichtigsten und sinnvollsten. Wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt, reduziert sie das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 Prozent und für Analkarzinome sogar um 98 Prozent. Aber auch später sei sie noch sinnvoll: „Viele wissen nicht, dass man sich mit mehreren HPV-Stämmen infizieren kann. Die Impfung senkt das Risiko einer Wiederansteckung deutlich.” Besonders wichtig: Während eine natürliche HPV-Infektion meist nur eine kurzfristige Immunität von drei bis sechs Monaten hinterlässt, sorgt die Impfung für eine lang anhaltende, wahrscheinlich sogar lebenslange Immunität.

Wissen schützt, Aufklärung rettet

Aufklärung ist für Michaela Klein der Dreh- und Angelpunkt erfolgreicher Prävention: „Nur wer gut informiert ist, kann gute Entscheidungen treffen. Deswegen ist die Aufklärung in Schulen und Familien so wichtig.” Die Krebshilfe Burgenland führt daher gemeinsam mit dem Land Burgenland die HPV-Roadshow durch, eine Aufklärungstour an Schulen. Neben Informationen gibt es dort und auf Messen, wie etwa der Inform, auch Impfangebote.

In ganz Österreich gilt: Kinder und Jugendliche erhalten die Impfung im Rahmen des Kinderimpfkonzepts zwischen dem neunten und 21. Geburtstag gratis. Derzeit ist die Impfung auch für junge Erwachsene bis zum 30. Geburtstag kostenlos. Die erste Impfung kann bis 31. Dezember 2025 in Anspruch genommen werden. Für diese Personen steht die zweite HPV-Impfung bis 30. Juni 2026 gratis zur Verfügung. Im Burgenland ist für Personen über 30 Jahre der Impfpreis bis 31. 12. 2026 auf 154 Euro reduziert, inklusive vergünstigtem Impfhonorar.
Wichtig: Die Angebote gelten für beide Geschlechter. „Wer weitere finanzielle Hilfe dafür benötigt, kann über die Krebshilfe Unterstützung beantragen”, ergänzt Klein.

 

Kontakt Krebshilfe Burgenland:
0650/244 08 21
office(at)krebshilfe-bgld.at
www.krebshilfe-bgld.at