Kolumne
Mattersburger Sternenhimmel

Perschys Perspektiven
Über diesen Vers ließe sich lange nachgrübeln – ob er nicht für alles literarische Schaffen Geltung habe oder darüber hinaus für jede Form der Kommunikation. Er stammt aus dem Gedicht Selbstbildnis von Hertha Kräftner, der großen, für immer jungen Dichterin aus Mattersburg, auf die ich zum Weltfrauentag meine Perspektive lenke. Ihr Todestag wird sich heuer schon zum 75. Male jähren, ihr Werk aber weist keine Patina auf. Es ist auch müßig zu fragen, was aus ihr hätte werden können, wäre sie nicht schon im 24. Lebensjahr aus dieser Welt geschieden. Mächtig ist ihre Poesie, die oft die Liebe und den Tod (auf-)sucht. Die Liebe häufig flüchtig, unterwegs, von Auflösung bedroht. Der Tod in befremdend-vertrauten Bildern: in schmalen Katzenpupillen oder nach Majoran duftend in einem Krämerladen. Viele Gedichte enthalten Worte und Wendungen, vor denen man sich süß schreckt, wie sie es selbst in Beschreibung eines Geliebten formuliert. Im Buchhandel gibt es die Gedichtsammlung Kühle Sterne aus dem Wieser Verlag sowie die Monographie Hertha Kräftner – Leben und Werk von Gerhard Altmann aus der edition lex liszt 12.
Eine Kolumne von Jakob Perschy