Kolumne

Mit freundlichen Grüßen

Am Motorradl am Weg in die Arbeit. Kommt mir ein Motorrad entgegen. Also nicht nur das Motorrad, schon mit wem drauf, der versucht, die Kontrolle darüber zu haben. Kurz bevor wir auf gleicher Höhe sind, nimmt er die linke Hand vom Lenker. Er grüßt freundlich. Nein, wir haben uns noch nie gesehen. 

Schulterblick

Am Motorradl am Weg in die Arbeit. Kommt mir ein Motorrad entgegen. Also nicht nur das Motorrad, schon mit wem drauf, der versucht, die Kontrolle darüber zu haben. Kurz bevor wir auf gleicher Höhe sind, nimmt er die linke Hand vom Lenker. Er grüßt freundlich.

Nein, wir haben uns noch nie gesehen. Wir kennen uns nicht. Werden uns vermutlich auch nie kennenlernen. Und wenn man weiß, dass viele Leut’, die mich kennen, mich lieber nicht grüßen, wäre diese Episode umso erstaunlicher. Ist sie aber nicht. Begegnen sich zwei Motorradfahrer, dann grüßen sie sich. Dabei ist vollkommen egal, ob der eine auf einem Chopper lümmelt und der andere in seiner Ledermontur über ein Supersport-Motorrad gespannt oder mit Seitenkoffern für eine Weltreise zwischen Wimpassing und Wulkaprodersdorf gerüstet ist. Sie haben Recht. Ich könnte mir daran ein Beispiel nehmen.

Freundlich auf andere zugehen, egal, ob ich die Person kenne, die ich treffe, ob ich wirklich alle ihre Werte teile oder irgendwann noch einmal mit ihr zu tun haben werde. Ganz ohne Vorurteile. Aber ehrlich, ich bin nicht der einzige Griesgram auf den Straßen. Wenn Sie also im Auto fahren und Sie ganz viele Verkehrsteilnehmer anwinken, anblinzeln oder anfuchteln, fragen Sie sich vielleicht doch besser: Hab ich die Nummerntafeln montiert? Steht das Einkaufssackerl noch am Dach? Zieh ich seit dem Tanken die halbe Zapfsäule mit?

 

Eine Kolumne von Guido Gluschitsch

Foto: © Maria Hollunder