Kolumne

Muse & Muße

Die werden oft miteinander verdrechselt. Erstere kommt in neunfacher Ausführung aus dem antiken Griechenland und beschützt die Künste, zweitere wurzelt im Althochdeutschen, ist verwandt mit müssen, bedeutet aber eine Zeitspanne, in welcher man sich stressbefreit und beschaulich dem Schönen widmen darf. 

Perschys Perspektiven

Der Muse verdanken wir den Musenkuss und das Museum, also den Ursprung und das Ende aller Kunst, der Muße jedoch den Müßiggang, der redensartlich aller Laster Anfang ist, mutmaßlich doch oft auch an der Künste Wiege gesichtet wird. Im Idealfall bef leißigen sich Muse und Muße eines symbiotischen Wirkens, was zu kunstreich vollendeten Werken führen kann.

Zum Beispiel zum Buch Pusztagold von Clara Heinrich, die einer Weinbauerndynastie entstammt, in Wien und Berlin studiert hat und in Gols eine Gärtnerei betreibt. Als Autorin analysiert und interpretiert, beobachtet und beschreibt, prüft und verknüpft sie Landschaft und Salat, Birnen und Beziehung, Fürsorge und Verletzlichkeit, Gewesenes und zu Bewältigendes, dass daraus eine poetische Erzählung entsteht, die auch bei schwerwiegender Thematik unangestrengt und gelöst bleibt. Pusztagold ist im AKI-Verlag erschienen und für die Lektüre möchte ich Ihnen ein mächtiges Maß an Muße wünschen!

Eine Kolumne von Jakob Perschy