Kolumne
Spaziergang durch Erinnerungen

Ein Pendlerleben
Begonnen haben sie für mich mit einer Lesung in Heiligenbrunn, das ist die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin. Die dortige Bücherei hat neu eröffnet und ist jeden Besuch wert, falls Sie in der Nähe sind. Mein kleiner Sohn hat mich begleitet, und weil er viel wissen wollte, hab ich ihm dort und auf dem Weg dahin viel gezeigt. Das Ganze wurde also ein bisschen ein Ausflug in meine eigene Geschichte. In Wien lebe ich im Jetzt, im Burgenland immer auch ein bisschen in der Vergangenheit. Wir waren in meinem Elternhaus, wir haben meinen Vater und meinen Bruder auf dem Friedhof besucht und mein Sohn hat sich bei einer Lesung von mir um den Büchertisch gekümmert. Es ist bittersüß, wenn man seinen Kindern zeigt, wo man selbst Kind war. Man merkt deutlich, wie anders das Leben heute ist, wie anders das Leben unserer Kinder ist. Dabei sind doch nur 40 Jahre Unterschied, wie viel kann sich da verändert haben?
Mehr, als man denkt. Und dann lernte er meine damalige Kindergartentante kennen und die Grenzen wurden kleiner. Und so, wie sich die Lebenszeiten ändern, so ändern sich auch die Jahreszeiten – die bunten Farben, das kühlere Wetter, die Feuchtigkeit auf dem Waldboden. Wir lassen los und starten in Neues. Das hat auch etwas Tröstliches.
Eine Kolumne von Saskia Jungnikl-Gossy.