Kolumne
Willkommen im neuen Jahr!

Ein Pendlerleben
Ich nehme mir viel vor, schreibe imaginäre Listen im Kopf und bin überzeugt: Dieses Jahr wird anders. Mehr Aufbruch, weniger Altlasten. Große Dinge müssen passieren. Vielleicht liegt es an meinem letzten Besuch im Burgenland, dass ich gerade über Neuanfänge nachdenke. Im Garten hoppelten überall Hasen herum, als wären sie die Hausherren. Der Hase, Symbol der Erneuerung, des Neubeginns. Irgendwie passte das: Es geht weiter.
Neues entsteht. Und dann, zurück in der Stadt, stehe ich im Hallenbad – und treffe unerwartet eine alte Schulfreundin aus dem Burgenland. Jahre nicht gesehen, kaum Kontakt gehabt. Und gleich ein vertrautes Gefühl, leichtes Plaudern, das nicht angestrengt ist. Eigentlich das, was wir öfter brauchen. Miteinander reden. Gerade zwischen zwei Welten, zwischen Stadt und Land, zwischen Wegfahren und Heimkommen, zwischen „Ich meld mich mal“ und „Schon wieder ein Jahr vergangen“. Kommunikation ist manchmal wie Pendeln: Man weiß, dass es wichtig ist, aber man schiebt es auf. Es geht sich heute nicht aus, aber morgen dann. Dabei würde oft eine kurze Nachfrage reichen. Ein Stehenbleiben, wenn man einander zufällig trifft und Zeit einräumen. Ein „Wie geht’s dir grade?“ ohne Hintergedanken. Vielleicht sollten wir uns das fürs neue Jahr vornehmen: Weniger tratschen hinter vorgehaltener Hand, mehr Mut zur direkten Frage.
Eine Kolumne von Saskia Jungnikl-Gossy.