Natur
Die Rückkehr des Seeadlers ins Burgenland
Wer im Frühjahr entlang des Neusiedler Sees spaziert, hat vielleicht schon einen riesigen Schatten über sich bemerkt. Zwei mächtige Schwingen, ein weißer Schwanz – und dann ist er auch schon wieder verschwunden. Der Seeadler, Österreichs größter Greifvogel - unser Wappenvogel - und bis vor wenigen Jahrzehnten: offiziell ausgestorben.

Dass das heute anders ist, verdankt das Burgenland unter anderem dem beharrlichen Einsatz des WWF Österreich und einem Mann, der seit 20 Jahren für den Schutz dieser Tiere kämpft: Christian Pichler, Artenschutzexperte und Seeadlerprojekt-Leiter beim WWF. Wir haben ihn im Bezirk Neusiedl am See getroffen – in der Nähe des Horstes von „Nestor“, einem 15-jährigen Seeadler-Männchen, das seit Jahren erfolgreich im Nordburgenland brütet.
Warum der Seeadler so besonders ist
„Die Vögel sind relativ groß“, sagt Pichler mit einem leichten Understatement. Sie haben bis zu sieben Kilogramm und eine Spannweite von 2,30 Metern. Streckt man selbst die Arme aus, entspricht das etwa der eigenen Körpergröße – der Seeadler ist dann doch noch um einiges größer.
Diese Größe hat Konsequenzen. Der Seeadler ist kein flinker Jäger wie ein Wanderfalke. Er ist ein Ausdauertier, ein Opportunist, ein Meister der Geduld. Er jagt Fische, erbeutet Vögel im Sturzflug, aber einen Hasen, der schnell durchs Feld läuft, erwischt er nicht.

Steckbrief: Der Seeadler
- Flügelspannweite: bis zu 2,30 Meter – größter heimischer Greifvogel
- Gewicht: bis zu 7 Kilogramm (Weibchen meist schwerer als Männchen)
- Horst: bis zu 2 Meter Durchmesser, 600 kg Gewicht, jahrzehntelang bewohnt
- Treue: lebenslange Paarbindung, gleiches Revier, gleiches Nest
- Ernährung: Fische, Wasservögel, Aas – Hasen sind zu flink
- Lebenserwartung: bis zu 30 Jahre in freier Wildbahn
- Schutzstatus: streng geschützt, Jagd verboten
Das Nest: Ein Jahrhundertbauwerk aus Ästen
Noch beeindruckender als der Vogel selbst ist vielleicht das, was er baut. Der sogenannte Horst – das Nest des Seeadlers – ist kein gewöhnliches Vogelgebäude. Er ist ein Lebenswerk.
Seeadler kehren oft an den Ort ihrer Geburt zurück und bauen gemeinsam mit ihrem Partner einen Horst. Jedes Jahr wird er ein bisschen größer, ein bisschen schwerer. Oft haben die Horste einen Durchmesser von eineinhalb bis zwei Metern, und wenn er über die Jahre ausgebaut ist, kann er über zwei Meter hoch sein – und bis zu 600 Kilogramm wiegen.
„Nestor“ – ein Seeadler mit Geschichte
Der Seeadler, den wir heute im Bezirk Neusiedl am See als Brutvogel kennen, hat einen Namen: Nestor. Er ist 15 Jahre alt und wurde 2011 vom WWF beringt.
„Nestor brütet schon längere Zeit“, erzählt Pichler. „Man geht davon aus, dass er seit seinem fünften Lebensjahr brütet und zumindest in den letzten Jahren hat er hier im Nordburgenland an der Leitha gebrütet und das auch erfolgreich.“
Steckbrief: Der Seeadler
- Flügelspannweite: bis zu 2,30 Meter – größter heimischer Greifvogel
- Gewicht: bis zu 7 Kilogramm (Weibchen meist schwerer als Männchen)
- Horst: bis zu 2 Meter Durchmesser, 600 kg Gewicht, jahrzehntelang bewohnt
- Treue: lebenslange Paarbindung, gleiches Revier, gleiches Nest
- Ernährung: Fische, Wasservögel, Aas – Hasen sind zu flink
- Lebenserwartung: bis zu 30 Jahre in freier Wildbahn
- Schutzstatus: streng geschützt, Jagd verboten
Das Nest: Ein Jahrhundertbauwerk aus Ästen
Noch beeindruckender als der Vogel selbst ist vielleicht das, was er baut. Der sogenannte Horst – das Nest des Seeadlers – ist kein gewöhnliches Vogelgebäude. Er ist ein Lebenswerk.
Seeadler kehren oft an den Ort ihrer Geburt zurück und bauen gemeinsam mit ihrem Partner einen Horst. Jedes Jahr wird er ein bisschen größer, ein bisschen schwerer. Oft haben die Horste einen Durchmesser von eineinhalb bis zwei Metern, und wenn er über die Jahre ausgebaut ist, kann er über zwei Meter hoch sein – und bis zu 600 Kilogramm wiegen.
„Nestor“ – ein Seeadler mit Geschichte
Der Seeadler, den wir heute im Bezirk Neusiedl am See als Brutvogel kennen, hat einen Namen: Nestor. Er ist 15 Jahre alt und wurde 2011 vom WWF beringt.
„Nestor brütet schon längere Zeit“, erzählt Pichler. „Man geht davon aus, dass er seit seinem fünften Lebensjahr brütet und zumindest in den letzten Jahren hat er hier im Nordburgenland an der Leitha gebrütet und das auch erfolgreich.“
Männchen und Weibchen: Wie man sie unterscheidet
Bei Jungvögeln ist es schlicht nicht möglich, das Geschlecht zu erkennen – sie sehen nahezu identisch aus. Erst als erwachsene Tiere verrät sich der Unterschied. Wenn Paare kreisen, erkennt man: Die Männchen sind etwas kleiner. Die Weibchen haben teilweise bis zu eineinhalb Kilogramm mehr und eine um bis zu 20 Zentimeter größere Flügelspannweite.
Beim Beringen frisch geschlüpfter Jungvögel hilft man sich mit Maßen: Gewicht, Schwanzlänge, Krallenlänge – aus diesen Faktoren lässt sich das Geschlecht errechnen.

Eine Erfolgsgeschichte in 25 Jahren
Dass Nestor heute überhaupt im Burgenland sitzt und brütet, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis von Jahrzehnten geduldiger Arbeit – und ein Triumph über eine Geschichte voller Rückschläge. Der Seeadler war einst in ganz Europa weit verbreitet. Dann kam die systematische Ausrottung. Greifvögel galten als Konkurrenz, als Schädlinge. Sie wurden bejagt, mit Prämien belegt, vergiftet. Dazu kamen Lebensraumverlust und – besonders verheerend – der Einsatz des Pestizids DDT, das die Fortpflanzung störte. In Österreich starb der Seeadler aus.
Die Wende kam durch strikte Schutzgesetze und internationale Zusammenarbeit. In anderen Ländern wurden Horste rund um die Uhr bewacht. Der WWF in Österreich setzte auf mehrere Hebel gleichzeitig: Todesursachen minimieren, illegale Vergiftung öffentlich machen, mit Grundbesitzer:innen kooperieren, Vögel beringen und besendern. Und viel Öffentlichkeitsarbeit.
Die Gefahren sind noch nicht vorbei
So schön die Erfolgsgeschichte ist – Pichler macht keine falschen Hoffnungen. Der Seeadler ist noch lange nicht aus dem Schneider. Die Bedrohungen sind real, und manche davon kommen vom Menschen. Da ist zunächst die illegale Verfolgung. Giftköder, ausgelegt für Füchse oder Marder, töten auch Seeadler – direkt oder indirekt, wenn sie ein vergiftetes Tier fressen. Das käme noch immer vor, erklärt Pichler. Dann sind da die Kollisionen: mit Stromleitungen, mit Windkraftanlagen.„Es wäre möglich, das alles unter einen Hut zu bringen – wenn man diese Ideen gemeinsam denkt. Windkraftanlagen können ein Problem für Seeadler sein, wenn sie an falschen Standorten stehen. Aber wir werden grüne Energie brauchen. Also setzt man sich zusammen und schaut, wo man sie platziert, damit sie möglichst wenig Schäden verursachen.“
Das andere große Thema: die Scheu dieser Tiere. Seeadler flüchten schon auf 200 Meter Entfernung vor Menschen. Und die Störungen am Brutplatz, die dazu führen können, dass Jungtiere verhungern, weil die Eltern fliehen. „Es haben vor allem die scheuen Vögel überlebt – die, die schnell geflüchtet sind. Und das ist praktisch in ihrer DNA verankert. Eine evolutionäre Narbe, hinterlassen von Jahrhunderten der Verfolgung“, so Pichler.

Tipp
Was tun, wenn ich einen Horst entdecke?
Zwischen Februar und Juni möglichst rasch die Umgebung verlassen – ohne zu stören. Ab Mitte Juni sind die Jungvögel meist groß genug, um die Nähe von Menschen besser zu tolerieren. Neue Horstfunde bitte dem WWF oder einer ornithologischen Fachorganisation melden!
Bleibt Nestor bei uns?
Für Burgenländer:innen gibt es eine beruhigende Antwort auf die Frage, ob „unser“ Seeadler bleiben wird: "Sobald Seeadler eine Partnerin oder einen Partner gefunden haben, leben sie in einer lebenslangen Verbindung", erklärt Pichler. Nur beim Tod eines Partners kommt es zu einer Neuverpaarung. Seeadler besiedeln in der Regel immer denselben Horst und dasselbe Revier. Er ist also gekommen, um zu bleiben.
Es geht um uns alle
Warum aber sollte man sich als Burgenländerin oder Burgenländer überhaupt um einen großen Vogel sorgen? „Jede Tierart hat ihre Funktion“, sagt Pichler. „In einem gesunden Ökosystem wirkt jede Art wie ein Baustein. Wenn man sich das Ökosystem als Kartenhaus vorstellt und einzelne Arten herauszieht, wird das Gebäude irgendwann instabil. Und dieses Ökosystem – das sind nicht nur Tiere und Pflanzen. Das sind auch wir. Sauberes Trinkwasser, saubere Luft, fruchtbare Böden, Schutz vor Hochwasser: All das hängt an einem funktionierenden Naturhaushalt.“
Ein Hoffnungsschimmer
Am Ende des Gesprächs erzählt Christian Pichler noch kurz von sich selbst. Er hat Biologie studiert, seinen Zivildienst beim WWF gemacht – und ist geblieben. Seit 20 Jahren kämpft er für Seeadler, Wölfe, Bären und Co.
Die schönen Seiten kennt er: die Momente wie damals 2011, als er Nestor als Jungvogel in der Hand hielt und beringte. Auf die Rückkehr des Seeadlers ist er natürlich stolz. „Es zeigt, dass es gelingen kann. Dass ehemals ausgestorbene Arten zurückkehren können, wenn man verschiedene Maßnahmen setzt und viele Personen zusammenarbeiten. Das macht Hoffnung.“

