Lässig leben

Zwischen Bühne und Buschenschank

Er ist Schauspieler, Winzer, Wirt und Theaterintendant. Ein Tausendsassa, der in keine Schublade passt. Im Südburgenland hat Martin Weinek etwas gefunden, was kein Drehbuch hätte besser schreiben können.  

 

 

Martin Weinek am Prostrumer Weinberg
Am Prostrumer Weinberg verwöhnt Martin Weinek seine Gäste mit regionalen Köstlichkeiten und dem Klassiker aus dem Südburgenland – seinem eigenen Uhudler.

Am Prostrumer Weinberg im Uhudlerland, umgeben von Wiesen und Weingärten, steht ein kleiner Buschenschank in pannonischem Stil. Wer hier einkehrt, trifft auf einen Mann, den die Österreicherinnen und Österreicher als Inspektor Kunz aus der Kultserie „Kommissar Rex“ kennen – und der zwar noch immer auf der Bühne und vor der Kamera steht, aber sich trotzdem irgendwie der großen Aufmerksamkeit entzogen hat. Martin Weinek hat vor mehr als 30 Jahren in Kulm im Burgenland seine Wurzeln geschlagen und betreibt dort einen Weinbaubetrieb und einen Buschenschank. Fernab des Rampenlichts verwöhnen er und seine Frau Eva ihre Gäste mit regionalen Köstlichkeiten und südburgenländischer Gemütlichkeit.  

In die Region hat den gebürtigen Steirer die Liebe zu den typisch südburgenländischen Kellerstöckl gezogen. Die Architektur, die strohgedeckten Keller, das Holz, die Bauweise. Und der Uhudler? „Der war unausweichlich“, erzählt uns Martin Weinek. Der leuchtend rote Wein aus Direktträgertrauben ist weit mehr als ein regionstypisches Getränk – er ist Identität, Lebensart und ein hart erkämpftes Gut zugleich. Was Martin Weinek von Anfang an faszinierte: Direktträgertrauben brauchen keinen chemischen Pflanzenschutz, sie sind von Natur aus resistent. Nicht nur gegen ein Verbot aus Brüssel, sondern auch gegen die Reblaus. Natur pur in einem Weinglas also. Aus dieser Begeisterung heraus und der Notwendigkeit, auf diese Traube besonders aufzupassen, entstand das Uhudlerland. Eine Kooperative der größten Uhudler-Bauern der Region und mitunter die Grundlage für den Erhalt des Kultweins, den Martin Weinek als klares Alleinstellungsmerkmal des Südburgenlandes sieht. 

Jemanden wie Martin Weinek hält es aber nicht lange nur hinter der Budel – und der Weingarten ist nicht seine einzige Bühne. So gründete er gemeinsam mit seiner Frau Eva 2016 das Uhudler-Landestheater. „Wir scherzten damals, wenn das Burgenland kein Landestheater hat, dann wird das Uhudlerland eines bekommen.“ Und so sollte es sein. Beheimatet auf Schloss Tabor ist das Theaterensemble mittlerweile ein fester Bestandteil in der burgenländischen Kunst- und Kulturszene, das auch mit der heurigen Aufführung „Orpheus“ beweist, dass gutes Theater keine große Stadt braucht. Premiere ist am 27. August.  

Lässig leben im Süden des Burgenlandes. Für Martin Weinek bedeutet es vor allem eines: Sachen in Ruhe angehen, sich nicht hetzen lassen, den Moment genießen. Das Gegenteil der städtischen Mentalität, wo alles sofort und am besten gestern erledigt sein muss. „Es gibt nichts auf der Welt, das nicht drei Tage Zeit hat.“ Wer Rast und Ruhe sucht, ist im Südburgenland also genau richtig. Hier ticken die Uhren noch anders. Und das ist gut so.