Gesundheit

Auf beiden Beinen durchs Leben

Premiere im Burgenland:

Hochkomplexe Operation in der Klinik Güssing rettete Steirerin das Bein

Primarius Dr. Klaus Dragosits und der erste Oberarzt Dr. Ewald Musser zeigen Implantate
Primarius Dr. Klaus Dragosits und der erste Oberarzt Dr. Ewald Musser zeigen Implantate © Gesundheit Burgenland

Dass Frau Schabernack heute wieder auf zwei Beinen steht, ist nicht selbstverständlich. Die 78-jährige Steirerin verdankt dies einem hochkomplexen Eingriff, der erstmals in der Klinik Güssing und sogar erstmals im Burgenland durchgeführt wurde. „Der Patientin drohte ein Funktionsverlust des rechten Beins. Dass wir ihr hier vor Ort helfen konnten, war Frau Schabernack, die seit Jahren in Güssing Patientin ist, sehr wichtig und freut mich besonders“, betont Primarius Dr. Klaus Dragosits. Er leitet seit Februar des Jahres die Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und stand selbst am Operationstisch. Eine lange Vorgeschichte führte zu dem Eingriff, der das Bein der Patientin rettete. Christine Schabernack wurde in einer rund vierstündigen Operation sowohl eine gelockerte Knie- als auch eine Hüftprothese gewechselt sowie der gesamte Oberschenkelknochen durch ein sogenanntes totales Femur ersetzt.

 

Lange Vorgeschichte

Nachdem sich bei Christine Schabernack ein künstliches Kniegelenk gelockert hatte, waren weitere Revisionsoperationen notwendig, bis die Patientin mit einer Langschaftprothese versorgt werden konnte. Da die Patientin bereits Jahre zuvor eine Hüftprothese erhalten hatte, kam es im Bereich des Knochens zwischen den beiden Implantaten zu erhöhter Belastung. Dieser Stress führte in der Folge zur Ausbildung einer Sollbruchstelle und einer neuerlichen Lockerung der Knieprothese. Beide Implantate mussten entfernt und gegen Spezialimplantate ersetzt werden, die sich miteinander verbinden lassen. Der Funktionserhalt des Beines gelang schließlich durch eine sogenannte intramedulläre totale Femurersatz-Operation – einen hochkomplexen Eingriff, bei dem die Funktion des gesamten Oberschenkelknochens, von der Hüfte bis zum Knie, ersetzt wird. Solche Operationen zählen zu den anspruchsvollsten und aufwändigsten Eingriffen der modernen Endoprothetik. Sie werden üblicherweise nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. Nicht jede Klinik verfügt über die notwendige Infrastruktur oder hat Zugriff auf die dafür erforderlichen Implantatsysteme.

 

Rasche Mobilisation nach Operation

Bereits am Tag nach der Operation konnte Christine Schabernack erstmals aufstehen. Schon am zweiten Tag absolvierte sie die ersten Schritte mit Krücken. Nach zwei Wochen stationärem Aufenthalt wurde sie zur weiteren Rehabilitation in eine Reha-Klinik verlegt. Im Juli wird sie für weitere drei Wochen an die Klinik Güssing zurückkehren, wo sie im Department für Akutgeriatrie und Remobilisation den letzten „Feinschliff“ bekommt, wie der Primar mit einem Lächeln im Gesicht verrät.

„Ich bin sehr froh, dass ich hier behandelt werden konnte. Ich habe mich die ganze Zeit gut aufgehoben gefühlt“, betont die Steirerin. Besonders dankbar sei sie dafür, dass ihr Bein erhalten werden konnte und sie in ihrer vertrauten Klinik behandelt werden konnte.

 

Erfolg des gesamten Teams

Für Primarius Dragosits ist der Erfolg weit mehr als das Ergebnis einer gelungenen Operation. „Die Operation macht vielleicht 50 Prozent des Erfolgs aus. Die andere Hälfte passiert davor und danach. Es muss interdisziplinär alles funktionieren – von der Anästhesie und der Intensivstation über die Pflege und die Normalstation bis hin zur Physiotherapie. Jeder muss seine Aufgabe meistern.“ Besonders hebt er die Leistung seines Teams hervor: „Eine Glanzleistung der Abteilung zum Start in Güssing“, so der Dank ans gesamte OP-Team. „Für mich ist es – abgesehen vom medizinischen Erfolg – vor allem deshalb ein Erfolg, weil wir Patientinnen und Patienten nicht mehr in andere Bundesländer schicken müssen. Wir können hier in Güssing dieselbe Qualität bieten wie spezialisierte Zentren in Großstädten“, betont Dragosits abschließend. Die Entwicklung der vergangenen Monate zeige deutlich, wohin der Weg führe: „Güssing ist auf dem besten Weg, ein überregionales Zentrum zu werden.“

GUT ZU WISSEN

Wer einen geplanten Gelenksersatz benötigt, wird gebeten, zunächst die Abklärung bei einer niedergelassenen Ärztin oder einem niedergelassenen Arzt durchführen zu lassen, inklusive Röntgenuntersuchung. Mit der entsprechenden Überweisung kann anschließend ein Termin in der Ambulanz der Klinik vereinbart werden. Akutpatientinnen und -patienten mit Komplikationen nach Gelenksimplantationen können jederzeit in der Klinik Güssing vorstellig werden, idealerweise mit einer Überweisung. Besonders bei Verdacht auf ein infiziertes oder eitriges Gelenk ist rasches Handeln erforderlich.

 

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